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Schwefelig, modrig mit einem Hauch von Klee.

Xurina Ky'Alur

Lautlos und ohne Zweifel bewegte sich die schlanke Drow durch das Unterholz. Ihr rechter Schwertarm war wie immer am Knauf des adamanten Krummsäbels.
Jivelgg hatte Sie bereits einige Kilometer an einer Lichtung zurückgelassen, auch wenn Sie dem Pferd vertraute, so wusste Xurina, dass ein einfacher Fehltritt Ihre Tarnung auffliegen lassen konnte.
Die Veldriss war schon lange unterwegs gewesen. Sie war müde, hungrig und wie immer daher bei schlechter Laune. Sie folgte der Spur schon länger.

Sie hasste das grelle Licht am Tag. Diese Sonne am Himmel die an besonders heißen Tagen wie Feuer brennen konnte. Einige Wolken schoben sich vor das garstige Feuerballding. Schon besser.
„Bei Lloth, zumindest das...wo ist diese Frau nun?“
Das Unterholz gab Ihr noch das Gefühl von Kühle.
Xurina war auf der Jagd oder besser auf der Suche nach der Frau mit den roten Locken. Etwas an Ihr war anders. Unscheinbar, aber doch gefährlich. Sie war schon länger in den nahen Wäldern von Elashinn.
So hatte sich gerade diese Frau der Gefangennahme von zwei Sargtlinen widersetzt und die Körper der Jaluken regelrecht zum Schmelzen gebracht. Die Adamantrüstungen war geschmolzen und zerdrückt worden wie heiße Schokolade. Einfach zwei dunkle Klumpen, zwischen Haut und Rüstung.
Kein schöner Anblick und vor allem etwas, was beide Sargtline auch nicht mit Sicherheit erwartet hatten. Die beiden Jaluken waren erfahren genug gewesen und beide waren damals von Xurina selbst ausgebildet worden. Beide waren definitiv stark genug, um sich selbstständig auf Patrouille zu begeben und lebend zurückzukommen. Nur diesmal waren beide nicht zurückgekehrt und Xurina hatte vor beide zu tadeln. Aber etwas in Ihr ließ Xurina aufhorchen.
Xurina kannte beide. Sie waren zuverlässig, loyal dem Hause Ky’Alur und wenn Xurina eine Sache an Ihnen nicht mochte, war es eher Letzteres. Ihr Versagen und das ehrlose Ende. Es kam auch für Xurina einer Niederlage gleich, denn Sie hatte beide Jaluken trainiert und beide wurden sie besiegt von dieser Frau mit den roten Locken. Neugierde stieg in Xurina auf. Wer war Sie?

Egal wie lange Xurina darüber nachdachte und es Sie zu beschäftigen schien, desto mehr wollte Sie diese Trophäe haben. Den Kopf dieser Frau.
Die Spur war gut. Xurina erblickte Sie auch. Was bei Lloth? Die Frau pflückte summend Blumen? In Ihrem weißen durchsichtigen Kleid? Wie alt konnte Sie sein? 20? Vielleicht 22?
Xurina wollte gerade einen Pfeil in Ihren Bogen auflegen, da hob diese unbekannte Frau mit den roten Locken auch schon das Wort ohne sich umzudrehen, während Sie weiter seelenruhig Blumen flückte:“Das, würde ich nicht machen…“, dann ein kurzes Kichern und der Pfeil war auf einmal weich und zischend. Eine scheiss Schlange? Ernsthaft? Xurina warf die Schlange in die Richtung der Frau, dann wurde aus der Schlange wieder ein Pfeil der nutzlos zu Boden fiel.
Xurina bemerkte ebenfalls, dass Ihr Bogen sichverselbstständigen. Käfer.“Natürlich, Usstan hasse Käfer!“ fluchte Xurina. Also eine Dunkelmagierin? Es kam Ihr wie ein kurzer Gedankenblitz.
Diese Frau hatte es irgendwie geschafft aus Materie etwas Lebendiges zu schaffen.Das kannte die Drow nicht. Sowas hätte Sie vielleicht der Ilharess zugetraut aber doch nicht so einer Frau mit ihren häßlichen roten Locken?
Der Rotschopf drehte sich zu Ihr um. Die Augen waren komplett schwarz und als Sie mit dem rechten Zeigefinger auf Xurina zeigte, schief grinste, zuckte ein roter feiner Blitz.Zunächst ein kleiner Funke der dann zu einem tosenden Feuersturm mutierte und sehr zielstrebig wie ein Feuerstrahl in Xurinas Richtung flog. Xurina versank im Schatten, sprang im letzten Moment beiseite, konnte die vorbeiziehende Hitze am Körper spüren und wie eine Schneise der Vernichtung sich hinter Ihr türmte. Bäume wurden nicht nur einfach auseinander gedrückt. Sie wurden karbonisiert, zu dunkler Kohle verarbeitet. Xurina pustete laut:“Daneben garstiges Rotlöckchen!“ Und konnte gerade noch so, dem zweiten Funken ausweichen, zog dabei den Säbel, wollte die Distanz zwischen Ihnen verringern. Bäume kippten hinter Xurina um wie Dominosteine. Kssheeeeesch! Brüllte Xurina gefolgt von einem:
„Waela!“ Xurina fluchte und kam sich ziemlich dumm vor. Ein offener Kampf gegen jemand so mächtiges, jedoch sollte die Veldriss ihren letzten Trumpf benutzen. Sie versank im Schatten, es sah so aus als würde Sie davonlaufen und sich ins Schattenreich zurückziehen.
„Oh das ist neu, ja lauf du kleiner Kohlekobold! Bisher ist noch niemand meinen kleinen süßen Funkeblitz ausgewichen,“ kicherte die Frau mit den roten Locken, was jedoch im nächsten Moment in einem erstickenden Lachen endete. Denn die Veldriss war effizient und gerissen. Xurina stand mit einem Male hinter Ihr. Der Säbel durchbohrte die Frau von Hinten durch die Brust. Es knackte kurz.
„Es ist vorbei, Rotlöckchen. Besiegt von einem Kohlekobold, Waela!“ kam Xurinas Stimme wie ein sarkastisches Flüstern, ein Säuseln hinter der Frau. Der Säbel wurde gedreht und raus gezogen und das weiße Kleid färbte sich in ein tiefes Rot. Taumelnd drehte sich die Frau mit leuchtend grünen Augen zu der Drow um. Sie wirkte überrascht, verwundert, wütend und irgendwie auch leicht amüsiert?
Sie spuckte Blut und einen grünlich gelblichen Rauch in Xurinas Richtung. Sie schien einige Worte zu intonieren, zu flüstern, die Drow zu verfluchen. Xurina bedeckte Nase und Mund mit der freien Hand, doch zu spät, Sie hatte etwas eingeatmet. Es roch schwefelig, modrig mit einem Hauch von Klee. „Widerlich!“ Schrie Xurina.
Xurina spürte, dass etwas nicht stimmte. Ihr Körper begann sich anzuspannen und während die Frau sich scheinbar auflöste mit den Worten:“Es ist nicht vorbei, für dich beginnt es gerade erst, Schätzchen.“ Sie ging tief lachend mit dem Wind. Weg. Kein Beweis. Selbst das Blut am Boden verschwand. Xurina war nun nicht mehr sicher, das Rotlöckchen wirklich getötet zu haben. Sie haderte, zweifelte einen Moment, dann ging alles sehr schnell.
Xurinas Rüstung wurde enger. Sie spürte wie Ihr Körper, Ihr nicht mehr gehorchen wollte. Sie versuchte einen Schattensprung. Nichts passierte. Sie fiel zu Boden wie eine nasser Sack.
Sie musste die gepanzerten Handschuhe ausziehen. Sie wurden Ihr zu eng. Sie sackte auf die Knie, spürte wie Knochen sich bewegten, ihr kompletter Körper nicht reagierte, ehe die Drow zusammensackte und vor Schmerzen bewusstlos einschlief.
Mit einem Aufzucken wachte die Drow wieder auf. Sie musste die Rüstung ablegen, viel zu eng und stand nur noch im Unterrock da, der auch irgendwie drückte. Etwas fühlte sich bei Ihr anders an. Sie roch anders. Ihre Brüste waren gefühlt auch größer. Sie schaute runter zu ihren Füßen. Scheisse waren Sie groß geworden und häßlich, dachte die Drow kurz.
Ihre Hände waren ebenfalls größer und heller. Heller? Sie fasste einen Moment erschrocken Ihr Gesicht an, ging hastig zu Ihren Ohren über und schrief entsetzt auf. Selbst Ihr Aufschrei klang anders. Vielleicht tiefer? Unharmonischer? Undrowischer?
Sie rannte zu dem naheliegenden Bach und suchte Ihr Spiegelbild. Dann der Schrecken. Der größte Alptraum den ein Drow erdulden musste. Und nein Sie war kein Drider, das wäre wohl in dieser Rangliste auf dem zweiten Platz gelandet.
Ein Alptraum der so auch noch nie dokumentiert wurde.
„Oh nau nau ….nau NAU....USSTAN ist nun ein ….scheiss RIVVIL?! VERDAMMTE ROTLOCKE!!!“ Schrie Xurina wütend auf, bis Ihr die Stimme wegblieb.
Weit entfernt hob Jivelgg den Kopf, er hatte von weitem wohl jemanden fluchen hören. So machte sich das treue Pferd auf den Weg, denn er schien zumindest das Gefluche zu kennen.
Sie hasste alles an sich, Ihre Stimme, Ihre Hände, Ihre Füße, die Art wie Sie ging, aber vor allem hasste Sie die Farbe ihrer Haare. Was würde Sie nun tun? Was könnte Sie nun tun?
„Usstan muss zur Ilharess...koste es was es wolle…!“

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