Die Rosen von Trinsic
Arabella von Britain
Kapitel I – Die Tochter des RosengartensDer Frühling war früh nach Trinsic gekommen. Die Rosen hinter dem Anwesen der Familie Hawthorne standen bereits in voller Blüte und erfüllten die Luft mit ihrem süßen Duft. Elisabeth Hawthorne verbrachte viele ihrer Stunden zwischen den Beeten, fern von den Sorgen ihres Vaters, dessen Handelsgeschäfte seit Monaten schlechter liefen. Eines Nachmittags wurde die Ruhe durch die Ankunft eines Reiters gestört. Sein Pferd war staubbedeckt, sein Mantel vom Reisen gezeichnet. Sein Name war Marcus Ashford, ein ehemaliger Offizier der Stadtwache, der nach Jahren in den Grenzlanden nach Trinsic zurückgekehrt war. Ihre erste Begegnung verlief unerquicklich. Marcus hielt Elisabeth für eine verwöhnte Kaufmannstochter. Elisabeth wiederum empfand ihn als grob und unhöflich. Dennoch begegneten sie sich in den folgenden Wochen immer wieder. Während die Rosen weiter erblühten, bemerkte Elisabeth, dass hinter seiner rauen Art eine ungewöhnliche Ehrlichkeit lag. Und Marcus stellte fest, dass die junge Frau mehr Mut besaß, als er zunächst angenommen hatte. Kapitel II – Der Schatten über dem HafenDer Sommer brachte neue Schwierigkeiten nach Trinsic. Mehrere Handelsschiffe verschwanden auf ihren Routen entlang der Küste. Kaufleute verloren Waren und Vermögen. Auch die Familie Hawthorne geriet zunehmend unter Druck. Als Elisabeth eines Tages belauschte, wie ihr Vater über einen möglichen Verkauf des Familienanwesens sprach, wurde ihr bewusst, wie ernst die Lage war. Verzweifelt suchte sie nach einem Ausweg. Marcus begann währenddessen eigene Nachforschungen anzustellen. Seine Erfahrungen aus der Stadtwache führten ihn zu Gerüchten über eine Schmugglerbande, die nahe den Sümpfen operierte. Bald fand er Hinweise darauf, dass die verschwundenen Waren keineswegs verloren waren. Gemeinsam wagten Elisabeth und Marcus mehrere Ausflüge entlang der Küste. Zwischen verlassenen Lagerhäusern und versteckten Buchten kamen sie der Wahrheit näher. Dabei entstand etwas, das beide zunächst nicht wahrhaben wollten. Aus Gesprächen wurden gemeinsame Abende. Aus gegenseitigem Respekt entstand Zuneigung. Doch keiner sprach aus, was längst zwischen ihnen gewachsen war. Kapitel III – Die Nacht der EntscheidungDer Herbstwind fegte über die Mauern von Trinsic, als Marcus endlich den Unterschlupf der Schmuggler entdeckte. Tief in einer verlassenen Bucht hatten sie ihre Beute versteckt und planten bereits den nächsten Überfall. Die Stadtwache wurde alarmiert. Doch bevor Hilfe eintreffen konnte, gerieten Marcus und Elisabeth selbst in Gefahr. Einer der Schmuggler hatte ihre Nachforschungen bemerkt und lockte sie in eine Falle. In der Nacht kam es zu einem heftigen Kampf zwischen den Gesetzlosen und den Wachen von Trinsic. Schwerter blitzten im Mondlicht, während die Wellen gegen die Felsen schlugen. Als Marcus einen Angriff auf Elisabeth bemerkte, warf er sich ohne Zögern dazwischen und wurde verletzt. Erst das Eintreffen der Stadtwache entschied die Auseinandersetzung. Die Schmuggler wurden festgenommen, ihre Lager geplündert und die gestohlenen Waren sichergestellt. Die Familie Hawthorne war gerettet. Während Marcus im Haus der Familie seine Wunden auskurierte, saß Elisabeth oft an seinem Bett. Beide wussten nun, wie viel ihnen der andere bedeutete. Kapitel IV – Zwischen Rosen und MorgenlichtDer Winter näherte sich, doch die letzten Rosen hielten sich noch tapfer im Garten der Hawthornes. Die Gefahr war vorüber. Die Handelsrouten waren wieder sicher und das Anwesen musste nicht verkauft werden. Marcus hatte inzwischen eine neue Stellung bei der Stadtwache angenommen. Sein Ruf war durch die Aufdeckung der Schmuggler erheblich gewachsen. Dennoch zog es ihn immer wieder zum Rosengarten. Dort fand Elisabeth ihn eines Morgens, als feiner Nebel über den Wegen lag. Zwischen den verblühten Rosen blieb er stehen und blickte sie lange an. Zum ersten Mal brauchte keiner von beiden nach Worten zu suchen. Marcus gestand, dass er während seiner Reisen viele Städte gesehen hatte. Britain, Vesper, Minoc und Moonglow. Doch nirgends hatte er etwas gefunden, das ihm wichtiger gewesen wäre als die Frau vor ihm. Elisabeth lächelte, während die ersten Sonnenstrahlen den Garten berührten. Und zwischen den Rosen von Trinsic begann ein neues Kapitel ihres Lebens – eines, das weder Krieg noch Entfernung noch die Stürme Britannias jemals wieder trennen sollten.
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