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Ein Bewerber aus Cove

Paranax von Kord

Cove empfing ihn dieses mal nicht wie einst, mit Ruhe, eher im Gegenteil.
Zwischen den kleinen Holzhäusern der Küstenstadt drängten sich Zelte, Vorratskisten und bepackte Pferde.
Die Banner Namoths flatterten im Wind, während hektisch Befehle gerufen,
Waffen geprüft und Rüstungen beim Heereseignen Schmied angepasst wurden.
Lange ist es her gewesen, doch der unverkennbare Geruch von Schweiß unter einer Platte und geöltem Stahl.
Ein kurzes Schmunzeln huschte über seine Lippen, offensichtlich war Cove kein Durchgangsort mehr,
sondern vielmehr wurde es zu einem richtigen Heereslager umfunktioniert.

Paranax hielt sich nach seiner Ankunft nicht lange auf den Straßen auf,
der Magen knurrte, die Kehle war ausgetrocknet. War doch das Hausschild des Ankerstübchens mehr als Einladung genug für ihn,
erstmal anzukommen, sich zu setzen und etwas zu essen. Eine alte, urige, durch das Heer gut gefüllte Gaststätte,
samt Schankbereich, hinter welche Derry stand, der Wirt.

Drinnen war es laut und ganz schön warm, die Leute drängten sich zur Bar.
Soldaten saßen an den Tischen, manche noch in halber Rüstung, andere mit den Helmen zu ihren Füßen. Krüge wurden gehoben,
es wurde angestoßen, Löffel klapperten in Schüsseln und Gespräche vermischten sich zu einem stetigen Hintergrundrauschen.
Paranax nahm Platz, bestellte sich den Tagesteller, ein Eintopf mit einem Stück Schwarzbrot.
Dazu gab es einen Krug Wein aus der Gegend, nicht besonderes. Er aß ruhig, hörte zu und fühlte sich nach der langen Zeit allein in seinem Haus,
sichtlich wohl wieder unter all den anderen Menschen.Ein paar Tische weiter beugten sich mehrere Soldaten zusammen.
Die Stimmen waren nicht leise, eher gedämpft. Vermutlich Rekruten, keine erfahrenen Männer, an Haltung und Sprache zu erkennen.

„…keine gewöhnliche Truppe“, sagte einer kopfschüttelnd in die Runde
„Das habe ich auch gehört. Auch keine einfachen Abenteurer.“
„Eine Faust des Reiches...“
„Nur die erfahrensten Krieger und Magier sollen sich melden,
sofern sie ihr Können unter Beweis stellen wollen.“
„Vermutlich für besondere Aufträge…?“

Paranax hob den Löffel zum Mund, ohne den Blick zu heben. Er schlürfte den Eintopf vom Löffel und nahm einen kräftigen Bissen vom Brot,
ließ die Worte der Soldaten wirken. Neugierig sah er rüber auf den Tisch, wo sie sich noch eine Zeit lang weiter darüber unterhielten.
Er trank einen Schluck Wein, stellte den Krug ab und griff in seine Tasche.
Die Münzen klimperten leise, als er sie auf den Tisch legte. Eine kurze Handbewegung Richtung Derry,
welcher mit einem knappen Nicken erwiderte. Dann stand er auf.

Auch draußen hatte sich das Stadtbild bereits verändert. Der Tag neigte sich langsam dem Ende,
und die Stadt wirkte noch voller als zuvor. Patrouillen von jungen Soldaten zogen durch die Straßen,
Reiter kamen und gingen, Schiffe die am Hafen entladen wurden.
Sein Blick fiel auf den Platz vor der Bank, schon aus der Entfernung erkannte er das grobe Pergament, sorgfältig befestigt an einer großen Anschlagtafel,
offensichtlich mehrfach überarbeitet. Er trat näher, las ihn aufmerksam und ließ den Blick über die sauber formulierten Zeilen des Zeugmeisters gleiten.
Darunter hatte jemand mit deutlich weniger Sorgfalt eine Ergänzung hinzugefügt, etwas schief und in schlecht lesbarer Schrift:

Für Interessierte hier in Cove: Meldet euch beim Kommandanten der Streitkräfte zu Cove.
Dieser befindet sich im Gebäude am Holzwall, direkt neben dem Stadteingang!!

Er atmete ruhig aus und wandte sich um, ging die wenigen Schritte zurück, vorbei an beschäftigten Soldaten und einer Gruppe von berittenen Spähern und Boten.
Das beschriebene Gebäude war unscheinbar, an den Wall angebaut, funktional und kein Ort für lange, ruhige Gespräche. Er klopfte an die Tür.

Ein scharfes „Ja was?“ kam ihm entgegen, kaum als er eingetreten war.
Der Kommandant wirkte überarbeitet. Pergamente und Bücher lagen gestapelt, einige zerknittert, andere bereits unterzeichnet.
Sein Blick glitt über Paranax, die schlichte, aber hochwertige beige Kleidung,
den trainierten Körperbau, die polierten Plattenbeine aus Schwarzfels, das Schwert an der Hüfte.

Einen Moment lang hielt er inne. Dann schüttelte er wieder mit dem Kopf.

„Ach, lasst mich raten..“, knurrte er, während er ein weiteres Dokument unterzeichnete.
„Ihr seid bestimmt auch wegen dieses verfluchten Aushangs hier.
Ich mache den ganzen Tag nichts anderes mehr als unsere neue Helden fortzuschicken,
welche es nicht einmal schaffen sich ihre Stiefel richtig anzuziehen und dann auch noch nach Schnaps stinken."

Er setzte die Feder ab, blickte erneut auf. Paranax erwiderte den Blick ruhig.

„Ich möchte, dass Ihr mich auf die Liste des Zeugmeisters setzt“, sagte er sachlich.
„Paranax von Kord ist mein Name. Ich halte mich die nächsten Tage hier in der Stadt auf.“

Der Kommandant musterte ihn noch einmal, diesmal etwas genauer. Dann schob er einen Stapel Bücher beiseite,
zog eine kleine Liste hervor und schrieb den Namen nieder. Ein knappes Nicken folgte.

„Gut gut, zumindest mal einer der vielleicht in Frage kommen würde,
aber das entscheiden wichtigere Personen, jetzt raus hier.“

sagte er kurz, winkte mit der Hand ab und wandte sich wieder seiner Arbeit zu, so als wäre die Sache damit für ihn erledigt.
Paranax drehte sich um und verließ das kleine Gebäude.

Draußen atmete er erstmal durch, nachdenklich, sich fragend ob das eine gute Entscheidung sei oder nicht.
Aber er wollte dem Reich auch etwas zurückgeben und hatte im moment sowieso nichts besseres zu tun,
abgesehen davon füllte sich der Goldbeutel auch nicht von selber auf.

Der Blick schweifte über das Lager und er setzte, mit vollem Magen, seinen Weg fort in die nächste Unterkunft.

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