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Niedergebrannt, Ausgebrannt

In Gedanken versunken und den Blick auf den Boden gerichtet, saß er einfach nur da. Vor seinem inneren Auge spielten sich Szenen vergangener, fast vergessener, Tage ab.

Er stand vor seinem Heim, weit nördlich der Berge, in denen die Zwerge schon vor langer Zeit ihre Hallen gebaut hatten, und betrachtete die Ruinen seines ehemaligen Zuhauses. Bis auf die Grundfesten niedergebrannt, hatte sich die Natur, schon in kürzester Zeit, einen Großteil der Trümmer wieder einverleibt. Ob es ein Unfall, oder ein feindseliger Akt war, der seine Feste zerstörte, konnte nie geklärt werden.

Auch seine zweite Zuflucht lag in Scherben. Die Bruderschaft des Phönix zersplittert und in alle Winde zerstreut. Die Gemeinschaft erstickt und selbst das letzte bisschen Phönixasche hatte schon vor Jahren aufgehört zu glimmen.

Und auch seine innere Festung schien in Flammen zu stehen. Die Gefährten, die er, über die Jahre, hatte kommen und gehen sehen, die ihm Halt gaben, waren nicht mehr da. Entweder fielen sie in der Schlacht oder wendeten sich von der gerechten Sache, die die Bruderschaft verfolgte, ab. Sein Konstrukt aus Bereitschaft und Hingabe war kurz davor einzustürzen.

Ein Glockenschlag riss Dymar aus seinem Gedanken. Er blickte auf und war umgeben von einem Choral, der von der hohen Decke des lichtdurchfluteten Kirchenschiffs widerhallte. Er saß auf einer der hinteren Bänke der Kirche Tyraels.

Erst vor wenigen Wochen hatte er sich mit dem letzten Gold, das ihm geblieben war, eine kleine Unterkunft in der Stadt gekauft. Er hatte in Britain immer viel Zeit verbracht, aber gelebt hatte er fernab der Städte dieser Welt. Er konnte sich nicht genau erklären, was ihn hergeführt hatte, aber es war ein Schritt, der richtig erschien. Er nahm sich Zeit um die Stadt, und ihr Treiben, besser kennenzulernen. So stolperte an einem sonnigen Morgen in eine Messe, die gerade begonnen hatte. Das erste Mal, war es Neugier, die ihn trieb. Und aus der Neugier stellte sich eine Regelmäßigkeit ein. Dymar hatte das Gefühl, dass die Messen ihm verlorengegangenen Halt gaben und seinen inneren Schmerz linderten. Und so lauschte er, allein auf der Bank sitzend, dem Gesang.

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