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Wenn der Vorhang fällt

Marvek - der größte Schauspieler aller Zeiten!

Das Plakat hing schief an der Bretterwand nahe des Marktplatzes, kaum beachtet von den meisten, doch für Marvek war es wie ein Schlag ins Gesicht. Seine Augen flogen über die Zeilen, blieben an jedem Wort hängen, als würde es sich in seine Haut brennen. Elrian Faelmond Theater Kompanie. Darunter der Titel. Sein Titel. Sein Stück. In fremder Hand, mit fremdem Namen, geschniegelt und geschniegelt für ein Publikum, das keine Ahnung hatte.

Seine Finger krampften sich um das Pergament. Erst zitternd, dann mit wachsender Wut riss er es von der Wand. Das trockene Papier gab mit einem hässlichen Geräusch nach, als hätte es selbst gewusst, dass es diesen Moment nicht überstehen würde.

„Dieser Bastard…“ murmelte er, kaum hörbar, doch seine Stimme vibrierte vor Zorn. „Er wagt es… noch einmal…“

Das Plakat zerknüllte sich in seinen Händen, wurde zu einem formlosen Ball, den er schließlich achtlos in den Staub warf. Doch die Worte verschwanden nicht. Sie hallten nach. Zu Ehren der Königin… ein heroisches Drama… Mord, Liebe, Verrat… Alles klang wie Hohn.

Für einen Moment stand er einfach da, den Blick leer, als hätte ihn die Wut selbst ausgebrannt. Dann hob er langsam den Kopf. Etwas hatte sich verändert. Die Unruhe wich einer kalten, klaren Entschlossenheit.

Wenn Elrian die Bühne wollte, sollte er sie bekommen. Aber nicht so, wie er es sich vorgestellt hatte.

Die Gassen Britains nahmen Marvek auf wie einen alten Bekannten. Hier unten war kein Platz für Applaus oder höfische Lügen. Nur Geschäft. Nur Nutzen. Und genau das brauchte er.

Es dauerte nicht lange, bis er fand, wen er suchte.

Rovan der Graue stand im Schatten eines schiefen Torbogens, als hätte er dort schon immer gestanden. Die Art Mann, den man nicht suchte – und doch fand, wenn man keine anderen Wege mehr hatte. Seine Augen musterten Marvek mit der trüben Geduld eines Raubtiers, das nicht sicher war, ob sich der Aufwand lohnen würde.

Marvek trat näher, ohne Zögern, ohne Höflichkeit. Er sprach nicht lange. Musste er auch nicht.
Ein Theater. Voller Leute. Gold. Schmuck. Unaufmerksame Bürger, geblendet von einem Schauspiel, das sie für echt hielten.
Und mittendrin ein Mann, der glaubte, unantastbar zu sein.
Rovans Blick veränderte sich kaum merklich. Ein kurzes Nicken. Mehr brauchte es nicht.

Der Handel war geschlossen, noch bevor ein Preis genannt wurde.
Als Marvek sich wieder abwandte, war da kein Zittern mehr in seinen Händen. Kein Zweifel. Kein Zorn, der unkontrolliert loderte.
Nur ein Gedanke, klar und scharf wie eine Klinge:
Wenn Elrian eine Vorstellung geben wollte, dann würde Britain eine bekommen.

Und diesmal würde das Publikum nicht klatschen.

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