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Coda

Talrim Ethar

Der Wind wehte durch das dichte Fell, während der Wolf durch den Wald rannte. Es war lange her, seit er sich das letzte Mal seiner Natur hingab. Das Moos welches seine Pfoten niederdrückten, hinterliess jedes mal ein samtiges Gefühl. Es wärte nur kurz da war schon der nächste Schritt getan. Und so zog es ihn weiter. Immer weiter den Blick in die Ferne gerichtet auf die Spitz des Berges. Der Berg aus der Erinnerung jener unheilvollen Begegnung.

Es war eine bedrohliche Szenerie gewesen. Dort in dem kleinen Garten der Akademie. Beide standen sie da, die Muskeln angespannt und bereit sich auf den Gegenüber zu stürzen. Sie den Arm nach seiner Kehle ausgestreckt und doch fehlte noch eine Spanne um ihn zu erreichen. Kälte lag in ihrem Blick und ihren Worten. Und doch wich er nicht zurück. Seine Finger umfassten ihr Handgelenk und hielten sie zurück. Ihren Arm in seinem Griff verkürzte er den Abstand nun weiter. "Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf." richtete er sein Worte an sie. Oh welch Wahrheit doch nur darin lag. So standen sie da, auf Messers Schneide. Ineinander verharkt wie zwei festgefahrene Zahnräder. Dann lenkte Magister Finsterrode seine Schritte in den Hain.

Es war nicht mehr weit, immer deutlicher erhob sich der Berg nun vor ihm. Dort würde er der Vergangenheit nachspüren. Immer wieder kam sie zum Vorschein. Immer deutlicher wurde das Bild welches sich zeichnete. Und jedesmal war sie anwesend. War sie der Schlüssel um die Türen vollends zu öffnen? Es war nur ein Gefühl, doch er tief in seinem Inneren wusste er, dass er ohne die Vergangenheit keine Zukunft haben würde.

Wie zwei geübte Tänzer lösten sie sich aus ihrer Pose. Der Magister kam langsam näher. Kritisch abschätzend was wohl noch vor Momenten hier geschehen sein mag. Die Maske des Schülers war schnell wieder übergestreift. Unterwürfig war schnell eine Erklärung gefunden und doch mag die Saat des Zweifels zurückgeblieben sein. Er würde vorsichtiger sein müssen in ihrer Gegenwart. Er konnte ihre Natur nicht mehr ignorieren. Ihr in den Hallen der Akademie zu begegnen, vermochte unliebsame Auswirkungen haben. Ein letzte Verbeugung einem Schauspieler nicht unähnlich schenkte er dem Magister und ihr, ehe er die Akademie verliess. Dann eilte er in die Nacht hinaus.

Sein Blick hob sich und nun zeigte sich die Silouette des Berges. Der Mond war aufgegangen. Er stand heute im Schatten der Welt und leuchtete voll. Die Flanke des Berges färbte sich in ein kupfernes Rot und die schneebedeckten Gletscher liessen es aussehen als ob er blutet. Und während der Blick am Berg hinab sank konnte er nun den Turm und die steinerne Mauer sehen. Die Wolfsgestalt liess sich nieder auf einem Flecken Moos und die Feuchtigkeit begann seinen warmen Körper zu kühlen. Er würde warten.

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