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Die Entscheidung [Neue Heldentaten]

Ich setze mich wieder an den Tisch.

Das Bier ist inzwischen vollständig schal und vollständig uninteressant. Die Fackel hat sich etwas beruhigt — der Wind ist flacher geworden, als wäre er müde vom langen Stoßen gegen den Turm. Draußen ist es jetzt dunkel.
Und in dieser Dunkelheit, in dieser Stille, kommt die Antwort.
Sie kommt nicht als Erleuchtung, nicht als plötzlicher Geistesblitz. Sie kommt langsam, wie eine Klinge die man aus der Scheide zieht — bedächtig, unvermeidlich. Sie war die ganze Zeit da. Ich habe nur um sie herumgedacht, weil sie so offensichtlich ist.

Ein uralter Wyrm.

Ich spreche es nicht laut aus — es gibt niemanden, der es hören würde — aber ich denke es klar und vollständig, ohne Einschränkung und ohne sofortigen Widerspruch: Ich werde einen uralten Drachen jagen. Allein. Mit meiner Rüstung, meinen Waffen, sonst nichts. Kein Gefährte, keine Magiertruppe, keine wohlgelaunten Paladine im Rücken. Nur ich. Es ist die klassische Herausforderung. Fast langweilig in ihrer Schlichtheit, wenn man sie so benennt. Krieger tötet Drachen — das ist eine Geschichte so alt wie Krieger und Drachen selbst. Jeder kennt die Form. Jeder weiß, wie sie klingt. Aber das ist auch der Grund, warum es die prestigeträchtigste aller Optionen ist.
Weil jeder weiß, was es bedeutet. Weil keine Erklärung nötig ist. Weil man es nicht in einen Kontext setzen muss, nicht erläutern muss, warum es schwierig war. Ein uralter Wyrm braucht keine Einleitung. Sein Name allein ist Einleitung genug.

Und ich allein. Das ist keine Eigensinnigkeit — das ist der einzige Weg, wie diese Geschichte zählt. Mit einer Gruppe ist ein Drache ein Schlachtfeld. Allein ist er eine Prüfung. Die ehrlichste Prüfung, die ein Krieger sich selbst auferlegen kann: Bist du genug?

Ich will die Antwort wissen.

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