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Ruhe, Raum & Routine – oder: Eine Eröffnung ganz nach Plan

Bareti

Die Taverne – Eröffnung

Bareti stand hinter dem Tresen und ließ den Blick noch einmal über den Raum gleiten. Vor ihr, sauber geordnet, standen einige Flaschen – Most, Alé, Wein und Rum – daneben kleine, sorgfältig ausgewählte Geschenke für die ersten Gäste. Nichts Überladenes, nichts Prunkvolles, aber jedes Stück bewusst gewählt.
So sollte jeder der Gäste eine Flasche ihres neusten Mosts bekommen. #6 - Das Geschenk des Hains.

Für einen Moment blieb ihr Blick an dem Aushang hängen, den sie selbst verfasst hatte. Eine offizielle Eröffnung. Allein der Gedanke daran hätte ihr früher vermutlich ein müdes Kopfschütteln entlockt.

Ein leises Lächeln zog über ihre Lippen.

Bisher war sie selten irgendwo angekommen, ohne dass die Dinge sie zuvor dorthin geschoben hatten. Ereignisse hatten sich ergeben, Gäste waren aufgetaucht, und plötzlich war alles schon im Gange gewesen, bevor sie überhaupt darüber nachdenken konnte. Diesmal war es anders. Diesmal hatte sie entschieden, eingeladen und sich vorbereitet.

Und zu ihrer eigenen, nicht ganz unbegründeten Überraschung fühlte es sich tatsächlich richtig an. Zwar stand sie heute alleine hinter dem Tresen, aber es würde schon klappen!

Sie trat einen Schritt zur Seite und strich mit der Hand über die Kante des Tresens, als würde sie sich vergewissern wollen, dass alles noch da war, wo es hingehörte. Die Taverne wirkte ruhig, beinahe erwartungsvoll. Selbst das warme Licht der Laternen schien sich zurückzuhalten, als wolle es den ersten Gästen nicht vorgreifen.

Draußen waren bereits Läufer unterwegs, und irgendwo im Land würde man bald über diesen Ort sprechen. Vielleicht wohlwollend, vielleicht skeptisch – aber sicher nicht gleichgültig.

Bareti atmete ruhig ein und lehnte sich leicht gegen den Tresen.

Noch etwa eine halbe Sanduhr, dachte sie. Genug Zeit, um noch einmal alles zu überprüfen. Oder um sich vielleicht selbst ein Glas #5 einzuschenken, ihr eigener Lieblingsmost.

Die Tür öffnete sich deutlich früher, als sie es erwartet hatte, und ließ einen feuchten Luftzug in den Raum. Die junge Gelehrte hob den Blick und richtete sich unwillkürlich etwas auf, während ihr erster Gedanke weniger feierlich ausfiel, als man es vielleicht von einer Wirtin erwarten würde.

Natürlich, dachte sie trocken. Man macht Pläne und arbeitet alles sauber aus und dann kommt das Leben und lacht!

Im Türrahmen stand ein hochgewachsener Elf. Seine Haltung war aufrecht, seine Bewegungen ruhig und kontrolliert, und er wirkte, als würde er jeden Raum zunächst prüfen, bevor er ihn wirklich betrat.

Er ließ den Blick durch die Taverne wandern, nahm Details auf, ohne sich dabei zu beeilen, und blieb schließlich einige Schritte im Eingangsbereich stehen.

"Ist das die Taverne?"

Bareti ließ sich einen kurzen Moment Zeit, bevor sie antwortete. Nicht aus Unsicherheit, sondern weil sie sich erlaubte, den Augenblick bewusst wahrzunehmen.

Der erste Gast. Die erste Frage.

Und vermutlich auch die erste Gelegenheit, herauszufinden, ob ihre Vorstellung von einer Taverne mit der der Welt da draußen überhaupt übereinstimmte.

Ein kaum merkliches Schmunzeln lag noch immer auf ihrem Gesicht, als sie sich schließlich leicht aufrichtete und dem Elf antwortete.


Die Taverne - Discord

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