Yon hatte lange geglaubt, dass Einsamkeit ein Teil seines Weges sei. Nicht als Strafe, sondern als Folge dessen, was er bewahrte. Kaum jemand sprach noch über die alten Überlieferungen, denen er diente. Kaum jemand verstand die Zeichen, die Gebete oder die Bedeutung jener stillen Riten, die Yon über Jahre hinweg gesammelt, erinnert und weitergetragen hatte. Und mit jedem vergehenden Winter war ihm deutlicher geworden, dass niemand kommen würde, um diese Last mit ihm zu teilen. Kein älterer Priester würde ihn prüfen. Und dennoch blieb die Frage bestehen... Was ist ein Priester, wenn niemand mehr da ist, der ihm folgt? Yon kannte darauf lange keine Antwort. Denn Erinnerung allein genügte nicht. Ein Priester durfte nicht bloß bewahren wie ein Hüter vergessener Dinge. Er musste sprechen, urteilen, zuhören und Verantwortung tragen für das, was vor ihm ausgesprochen wurde. Darum begann Yon, nach einer alten arachnischen Überlieferung zu suchen. der Herstellung eines schlichten Gefäßes aus altem Holz. Keine Reliquie. Ein Gefäß für Worte, die Gewicht besaßen. Und vielleicht, so hoffte Yon, würde der Weg zu ihrer Herstellung ihm beantworten, ob ein Mensch allein wirklich Priester sein konnte. Beiträge in diesem Thread
|