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Übermut [Zhaevor]

Maya - Uralte Trainerin der Melee Magthere

Schon unzählige Klassen hatte Maya durch die Tore der Melee Magthere marschieren sehen. Junge Drow aus alten und ehrwürdigen Häusern. Stolze Söhne und Töchter mächtiger Priesterinnen und anderer Adliger. Ehrgeizige Anwärter, die von RUhm träumten und glaubten, die Welt würde eines Tages ihren Namen kennen. Die meisten von Ihnen waren längst tot. Vergessen. Verrottend in einem namenlosen Grab. Manche hatten ihre Ausbildung bestanden. Einige wenige hatten tatsächlich Größe erreicht.

Die Melee Magthere kümmerte das nicht. Die Kriegerschule Elashinns nahm die Jungen auf und spuckte Krieger aus. Was dazwischen geschah, war selten angenehm.

Maya stand mit verschränkten Armen auf einer der steinernen Galerien und betrachtete die Neuankömmlinge. Sie wurden bereits in Klassen aufgeteilt. Gruppen, die die nächsten zehn... vielleicht fünfzehn Jahre gemeinsam verbringen würden. Sie würden zusammen schlafen, essen, trainieren, marschieren und kämpfen. Vielleicht würden sogar Freundschaften entstehen. Doch Maya hatte ihre Mittel dafür zu sorgen dass es zumeist Feindschaften wurden. Hass war es, der die Kriegsmaschine der Ilharess antrieb, und Hass würde sie sähen.

Vor Jahren blieb Ihre Aufmerksamkeit schließlich an einem einzelnen Jungen hängen.

Zhaevor.

Sie hatte seinen Namen bereits mehrfach gehört, noch bevor er die Hallen der Akademie betreten hatte. Nicht wegen besonderer Leistungen. Dafür war er damals zu jung.

Nein...

Weil er sprach. Pläne hatte. Weil er offenbar keinerlei Scheu besaß, diese auch laut auszusprechen.

Oloth'velve.

Allein die Tatsache, dass ein Schüler dieses Wort bereits bei seiner Ankunft verwendete, genügte, um Maya ihn hassen zu lassen.

Der ehrwürdige Titel der Schattenklingen waren keine Auszeichnung, die man sich selbst verlieh. Sie waren ein Titel, den andere einem gaben. Ein Titel, den die meisten nicht einmal auszusprechen wagten.

Langsam begann Maya die Stufen hinabzusteigen.

Das Gemurmel der Neuankömmlinge auf dem Platz wurde merklich leiser, als ihre Gestalt zwischen den Reihen erschien. Einige der Schüler richteten unwillkürlich ihre Haltung auf. Andere senkten den Blick. Sie schenkte ihnen kaum Beachtung.

Ihr Weg führte sie in die Nähe der älteren Klassen, wo sie schließlich stehen blieb. Ihr Blick wanderte über die Gesichter der Jungen und blieb für einen Moment auf Zhaevor ruhen.

Maya hatte einst angenommen, dass er nicht lange bleiben würde. Die Melee Magthere war voller Schüler gewesen, die große Worte spuckte, bevor diese auch nur eine einzige Prüfung bestanden hatten. Fast jeder Jahrgang, der ihr präsentiert wurde, brachte einiger solcher... Sie dachte nach welches Wort passen würde.... ah ja - Exemplare - hevor.
Jungen und Mädchen, die glaubten, Ehrgeiz allein könne Erfahrung ersetzen. Und dass Stolz dasselbe sei wie Stärke. Die meisten verloren diese Illusion schnell. Manche während der ersten Monate. Andere erst nach den ersten Jahren und ersten ernsten Prüfungen. Und wieder andere... nun... die nahmen ihre Illusionen mit ins Grab.

Doch Zhaevor war geblieben.

Jahr um Jahr hatte sie ihn beobachtet. Während andere Schüler verschwanden, starben, versagten oder schlicht in der Bedeutungslosigkeit versanken. Er hielt sich hartnäckig in den Reihen der Akademie. Unfehlbar war er nicht gewesen. Maya hatte ihn bluten sehen. Gesehen, wie er Fehler machte. Niederlagen einstecken musste und Rückschläge erlitt. Mehr als einmal war sie überzeugt gewesen, nun endlich den Punkt erreicht zu haben, an dem sein Ehrgeiz unter der Last der Realität zusammenbrechen würde.

Doch war er jedes Mal wieder aufgestanden. Und genau das war es, was sie an ihm störte. Was Sie an ihm hasste, und weshalb Sie ihn zerstören musste.

Talent war nichts Besonderes. Talent begegnete ihr ständig. Die Hallen der Melee Magthere waren seit Jahrhunderten voller talentierter Schüler gewesen. Die meisten von ihnen waren vergessen. Hartnäckigkeit hingegen war etwas anderes. Hartnäckigkeit war lästig. Hartnäckigkeit zwang Sie dazu, sich immer wieder mit jenen auseinanderzusetzen, die sie längst abgeschrieben hatte. Sie sorgte dafür, dass jemand trotz aller Niederlagen weiterging, obwohl es vernünftiger gewesen wäre, aufzugeben.

Maya hasste solche Schüler.

Sie wandt sich von ihm ab und ging zurück in ihre Schreibstube. Es gab etwas zu organisieren.

Während die Schüler ihre Übungen absolvierten, blieb sie an der steinernen Brüstung stehen und beobachtete schweigend den Platz unter sich. Der Tag seiner Abschlussprüfung rückte näher. Bald würde entschieden werden, welche Anwärter die Hallen der Akademie als vollwertige Krieger verlassen durften und welche noch nicht bereit waren. Seit Jahren wartete Maya auf genau diesen Augenblick.

Sie wollte wissen, ob ihr erster Eindruck richtig gewesen war.

Ob der Junge, der einst leichtfertig vom Rang eines Oloth'velve gesprochen hatte, tatsächlich das Zeug besaß, einen solchen Weg auch nur zu beginnen. Oder ob sich hinter all den Jahren des Trainings am Ende doch nur ein weiterer Schüler verbarg, der seine Grenzen nie wirklich verstanden hatte.

Maya war nicht bereit, ihm einen Fehler zu verzeihen. Sie suchte seit Jahren nach einem Grund, ihre Einschätzung bestätigt zu sehen. Jeder Patzer, jede Unsicherheit und jede falsche Entscheidung waren ihr aufgefallen. Sie sammelte solche Dinge wie andere Menschen Münzen sammelten. Geduldig. Sorgfältig. Über Jahrzehnte hinweg.

Früher oder später, davon war sie überzeugt, zeigte jeder seine Schwäche.

Und wenn dieser Augenblick kam, würde sie bereit sein.

Vielleicht würde Zhaevor sie eines Tages eines Besseren belehren. Vielleicht würde er tatsächlich etwas erreichen, das seinen frühen Hochmut rechtfertigte. Maya hielt das für unwahrscheinlich. Nicht unmöglich. Aber unwahrscheinlich genug, dass sie keinen einzigen Silberling darauf verwettet hätte.

Bis dahin blieb ihr nichts weiter zu tun als zuzusehen, zu warten und sich die Frage zu stellen, ob die Abschlussprüfung einen Krieger hervorbringen würde.

Oder lediglich den nächsten Namen auf einer sehr langen Liste von Enttäuschungen.

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