Cordovan Adersin saß an seinem Schreibtisch, die Haltung aufrecht, die Miene unbewegt. Das Licht der späten Stunde fiel schräg durch die hohen Fenster der Kanzlei. Beleuchtete den Staub auf Pergamenten und Siegelwachs.
Ein Bericht nach dem anderen glitt durch seine Hände.
Der erste: belanglos. Grenzzölle, korrekt abgeführt. Ein Häkchen, weiter.
Der zweite: ein Gesuch um zusätzliche Wachposten. Genehmigt, mit knapper Randnotiz.
Der dritte: Beschwerden aus dem Umland. Überzogen, ignoriert.
Das Los der täglichen Büroarbeit.
Dann hielt er inne.
Der nächste Bericht war dünner als die anderen, unscheinbar, beinahe verloren zwischen den Akten. Cordovan überflog ihn zunächst nur – und las ihn dann ein zweites Mal. Langsamer... Präziser...
Ein Gehöft. Ein Mann ohne klare Herkunft. Gold, das nicht erklärt wurde. Bewegungen im Sumpf. Seine Finger trommelten einmal auf das Holz der Tischplatte.
Cordovan lehnte sich zurück.
Routine war dies nicht.
Er griff nach frischem Pergament.
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An die Wache zu Britain,
sowie an alle diensthabenden P
atrouillen im östlichen Grenzgebiet.
Es ist meine Pflicht, Euch auf verdächtige Vorgänge
an der nordöstlichen Grenze des Reiches hinzuweisen,
im Sumpfgebiet nahe der alten Straße zur Taverne.
Dort befindet sich ein abgelegenes Gehöft, offiziell
geführt von einem Mann, der sich als einfacher Veteran
ausgibt. Seine Angaben zu Herkunft, Dienstzeit und
Entlassung sind jedoch widersprüchlich. Mehrere
Reisende berichten, dass er seine Identität vor
Jahren geändert habe und Fragen nach seiner
Vergangenheit ausweicht.
In den letzten Wochen wurden ungewöhnliche
Aktivitäten beobachtet:
nächtliche Besucher,
das Umladen von Waren,
Packtiere,
Kisten ohne klaren Kennzeichnung
owie größere Mengen Gold,
die nicht im Einklang mit der angeblich
kargen Landwirtschaft vor Ort stehen.
Besonders besorgniserregend ist, dass sich
vermehrt zwielichtige Gestalten aus Richtung
der Taverne durch den Sumpf bewegen. Es besteht
der Verdacht, dass das Gehöft als Umschlagplatz
für Schmuggelware dient und ein größerer
Transport unmittelbar bevorsteht.
Ich rate dringend dazu, das Gebiet zu sichern,
mögliche Fluchtwege aus Richtung der Taverne
zu überwachen und verdächtige Personen abzufangen,
bevor es zu offenen Unruhen kommt.
Britain darf nicht zulassen, dass ehemalige
Soldaten – gleich welcher Herkunft – sich der
Gerechtigkeit entziehen und unsere Grenzen für
kriminelle Machenschaften missbrauchen.
Im Namen von Ordnung und Sicherheit.
Adersin