Audienz in Elashinn
Lyr'sa Ky'Alur
Die angekündigte Audienz in Elashinn begann ohne Fanfaren - so, wie alles begann, was wirklich wichtig war. Die neu angekommenen Drow standen dicht beieinander, als könne Nähe Schutz bieten. Nervöse Blicke huschten durch den hohen Vorraum, tasteten über schwarze Säulen. Noch vor Stunden hatten sie gesehen, wie ihre Ilharess aus Moonglow verging. Vergangen, verfallen zu Staub - lediglich Erinnerung blieb. Und nun sollten sie vorsprechen. Vor der Ilharess Elashinns. Lyr’sa blieb stehen, noch bevor sie die Schwelle ganz überschritt. Über dem Eingang spannte sich das Relief einer gewaltigen Spinne, aus Granit oder Obsidian geschlagen, so kunstvoll, dass man fast meinte, sie könne sich lösen und herabsteigen. Ihre Beine umklammerten das Tor wie eine Warnung. Lyr’sas Finger verkrampften sich um den Lederriemen ihres Gürtels. Ein Schritt noch. Dann noch einer. Jeder Schritt fühlte sich an wie Verrat an der eigenen Vorsicht. Jeder brachte Sie näher der neuen Ilharess. Der Gedanke ließ sie frösteln. Was, wenn diese andere sie nun genauso verschwunden war wie die Ilharess von Moonglow? Erkannte Sie sie? Wie war die Geschichte jener Lyr'sa die vor ihr Elashinn bewohnte? Sie erinnerte sich einige Erinnerungen erhalten zu haben, und die Bewohner hatten Sie mit Respekt und gar Ehrfurcht behandelt. Sie erblickte Ihr Siegel mit welchem Sie ihre Schmiedewaren verzierte an dutzenden Waffen. Auch an denen der Stadtwache und bei Rivvin, die sie ebenfalls in Elashinn aufsuchten um ihre Waffen reparieren zu lassen. Im Inneren war es kühler. Stimmen flüsterten, hastig gedämpft, und irgendwo klirrte Metall. Lyr’sa zwang sich, den Blick zu heben – und erstarrte. An einer der Seitenwände, zwischen Bannzeichen und Hausinsignien, ruhte ein Schwert. Ihr Siegel. Unverkennbar. Für einen flüchtigen Moment vergaß sie die Angst. Stolz stieg in ihr auf, zaghaft, fast schmerzhaft. Ihre Errungenschaft war gut genug, um im Thronsaal des Hauses den Erfolg und die Ehre des Hauses Ky'Alur zu mehren und zu dokumentieren? Das dumpfe Stampfen eines Speeres auf Stein ließ sie zusammenzucken. Die Wache forderte zur Ordnung. Lyr’sa verbeugte sich hastig – und spürte im selben Moment, wie sich der Hammer an ihrem Gürtel löste. Ein Herzschlag Stille. Dann fiel er, prallte, rollte die Stufen hinab. Gedämpft vom roten Teppich, ja – aber laut genug. Zu laut. Hitze schoss ihr ins Gesicht. Ohne aufzusehen, ging sie in die Knie, duckte sich tiefer, als es nötig gewesen wäre. Der Teppich roch nach Staub und etwas Metallischem. Lyr’sa blieb reglos. Vielleicht, hoffte sie, würde die Audienz auch ohne sie stattfinden. Beiträge in diesem Thread
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