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Ein weiterer Riss

Eine Schankmagd

Der Apfelhain lag in Nebel gehüllt, der sich noch wacker gegen die Morgensonne und eine Brise Meeresluft, von der naheliegenden Küste kommend behauptete. Diese Frische war ein adäquates Mittelchen gegen die Nachwehen des gestrigen Abends. Die Bardame schallt sich nicht das erste Mal eine Idiotin, selbst auch gerne zum Krug zu greifen, wenn die Stimmung heiter wurde. Und gestern war sie heiter, trotz beunruhigender Gerüchte, die die Runde machten, die dann aber mit reichlich Bier, Wein und Schnaps fortgespült wurden.

Der Schlaf war kurz und unruhig gewesen, und die Taverne bedurfte einer gründlichen Reinigung. Aber das konnte noch warten. Die junge Frau kannte den Weg zur Küste, die hoch über dem Meer lag, gut. Der Nebel lichtete sich und gab einen herrlichen Blick auf die Ferne frei. Sie schloss die Augen und begann über das Hier und Jetzt nachzusinnen und spürte tiefe Dankbarkeit darüber, auf Moonglow ein wahres Zuhause gefunden zu haben. Der Hof, auf dem sie aufwuchs war rau und trist und ließ jegliches Gefühl von Wärme und Geborgenheit vermissen. Dinge, die sie hier gefunden hatte.

Als sie so dastand, die Etappen ihres Lebens gedanklich Revue passieren lassend, nahm sie den aufkommenden Wind nicht wahr. Erst ein tiefes Grollen, das von über ihr heranzudröhnen schien, weckte ihre Aufmerksamkeit. Die Frau blickte himmelwärts just in dem Moment, als sie ein stechender Schmerz hinter der Stirn traf. Sie versuchte einzuordnen, was soeben geschehen war, da traf sie erneut ein Schmerz, als wäre ihr Kopf zum Ziel eines Vorschlaghammers geworden. Ein Schrei brach hervor und die Magd strauchelte vorwärts. Einen Herzschlag später meinte sie, ihre Beine würden unter ihr nachgeben und Übelkeit wallte in ihr hoch. Dann überkam sie Schwärze. Kaum einen weiteren Herzschlag später flirrte die Luft unterhalb ihres fallenden Körpers und ein Riss in der Realität tat sich auf, der sie aufnahm und unmittelbar wieder entließ, ehe sie an den Klippen eines anderen Moonglow zerschellte, um von einer unruhigen See mit sich genommen zu werden.

Tage später fanden Fischer den angestrandeten leblosen Körper einer unbekannten Rothaarigen.

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