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Der den man einmauerte

Der den man einmauerte

Ich erinnere mich.

Nicht an einen Namen – der aus den Chroniken getilgt wurde –, doch ich erinnere mich an den Geschmack von Furcht. An Weihrauch, an schwarzes Blut auf Obsidian. An Elashinn, die schwarze Perle, wie sie bebte, als ich zuletzt sprach.

Sie glaubten, mich gebannt zu haben. Doch jetzt? Stein umschließt mich. Granit, Erzadern, kalter Fels. Meine Finger sind zu Staub zerfallen, die Krone die ich einst trug, kaum mehr als ein Drahtgestell, mein Leib gefesselt... in einer Gruft ohne Tür. Ich sehe nichts. Ich atme nicht. Ich bewege mich nicht.

Und doch… ich bin.

Meine Gedanken sind feiner als Rauch, fließender als Wasser. Sie sickern durch die Fugen, durch die Ritzen, durch vergessene Schächte und all die unvollkommenheiten die meine Häscher damals errichteten. Sie kriechen wie Spinnen durch das Erdreich, tasten nach dem, was mir gehört. Nach Knochen.

Ah… da. Ein Femur, gebrochen im Zorn. Dort ein Schädel, gespalten von Verrat. Und weiter unten die alten Katakomben, wo Drow in Seide gebettet wurden, mit Dolchen an der Brust und Flüchen auf den Lippen.

Ich flüstere nicht mit Worten - sie hörten mich ohnehin nicht. Doch.... ich erinnere sie.

Erhebt euch!

Auf dem Friedhof bebt die Erde. Finger krallen sich durch schwarzen Humus, Zähne klappern im ewigen Kichern, Deckel von Särgen werden hinweggeschoben. Einige laufen bereits. Stolpernd... gierig...

Ich kann meine Mauern nicht sprengen. Doch ich brauche es nicht.
Elashinn steht auf Knochen. Und Knochen stehen wieder auf.

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