Berichte über seltsame Monstrositäten [Leerenrisse]
Bertram Steuff Haselbusch
Es war ein sonniger Vormittag auf dem Marktplatz zu Minoc. Heute war Markttag und ich hatte allerhand zu besorgen. Es gab den letzten Grünkohl der Saison, welchen ich gewiss nicht vermissen würde. Es gab auch einen Laib Zwergenkäse. Das genoss ich an Minoc und den Zwergen ihrer Bevölkerung. Dieser war ein etwas selteneres Exemplar. Er war ganz aus Ziegenkäse und in einem alten Silberstollen über ein Jahr gereift. Das leichte Bestäuben hat dem Käse den typischen schwarzen Farbton oxidierten Silbers verschafft. Ein ungewöhnlicher Geschmack, denn nur gewisse Kulturen überlebten diese harsche Behandlung. Eine hauchdünne Scheibe auf einem dicken Kanten Brot mit reichlich Butter schmeckte vorzüglich. Mehr und der Magen rebellierte. Während ich mir ein gutes Fünftel des Laibs abwiegen ließ und mich anschickte zu bezahlen, vernahm ich aufgeregte Worte. Zwei Stände weiter unterhielten sich lautstark ein älterer Mann und ein Knirps, die sich abgesehen vom Altersunterschied zum Verwechseln ähnlich sahen. "Und wenn ich es dir sage, eine blutrünstige Bestie war es! Wenn ich sage lauf, dann hast du zu laufen!" "Es war bestimmt ein Nachtmahr, wie aus den Geschichten. Aber er schien friedlich zu sein." "Friedlich am Arsch!" regte sich der ältere nun auf. "Was immer es war, obwohl ihm die Sonne auf den Pelz schien, war es kaum mehr als ein Schatten! Und als ich dich endlich von ihm weg gezerrt hatte, hast du nicht gesehen wie er dann diesen seltsamen Ork mit dem schwarzen Arm aufgefressen hat? Ein blutrünstiges Monstrum sage ich dir! Es ist garantiert aus den Höhlen ausgebrochen. Wenn diese verfluchte Straße nicht so dicht am Gebirge vorbeiführen würde..." "Es sah nicht aus, als ob er den Ork aufgefressen hat. Er hat ihn auseinander geschnitten und ist dann weitergegangen!" "Wenn ein Vieh ein anderes zerlegt, dann zum Fressen. Und jetzt hör auf mir zu widersprechen, sonst setzt es jetzt eine von mir und wenn wir wieder zu Hause sind, noch eine von deiner Mutter!" "Aber Opa..." und im nächsten Moment verstummte der Knirps, als die Hand des älteren sich drohend hob. Prüfend ließ ich den Blick über den Körper des Knaben gleiten. Auf den ersten Blick waren keine seltsamen Verfärbungen an ihm zu erkennen. Nachdenklich beendete ich meine Besorgungen. Woher die Händler kamen, musste ich gar nicht näher in Erfahrung bringen. Ihre Beobachtungen deckten sich mit vergleichbaren Berichten, die ich in Düsterhafen und in Cove aufgeschnappt hatte. Kreaturen, die keine klaren Konturen zu haben schienen. Durchscheinend wie Schatten. Und doch stofflich. Sie schienen Lebewesen zu meiden oder zu ignorieren. Selten aber auch gemächlich und wie in Trance zu verfolgen. Wenn man sie mal zu Gesicht bekam, dann waren sie in den Berichten ausnahmslos in das Sezieren von Leichen vertieft. Hatten sie diese Wesen gejagt und getötet? Doch die Berichte sagten auch, dass sie die sezierten Kadaver schließlich zurückließen, um sich aus den Blicken zu entschwinden oder gemächlich eine Weile einem der Beobachter zu folgen. Und die Kadaver hatten alle etwas gemein. Äußerlich oder innerlich gab es kleinere oder größere Stellen schwarz verfärbtes Fleisch oder Knochen. Schließlich erreichte ich mit den schweren Beuteln meine Herberge und ging auf das Zimmer, mir ein kaltes Mittagsmahl zubereiten. Leider wurden meine Mittel allmählich knapp. Die Suche gestaltete sich als schwieriger als gedacht. Vielleicht würde ich noch eine Anstellung suchen müssen bevor ich es wiederfand? So viel Potenzial. So viel Macht in nur einer einzigen Berührung! Und am Ende des Wegs ein so fremder und doch so bekannter Ort. Um mich davon zu überzeugen, dass es nicht alles ein Traum gewesen war, rieb ich kräftig mit dem Daumen über die Spitzen von Zeige- und Mittelfinger der rechten Hand. Die Haut war vollkommen normal und fühlte sich auch so an. Sah man von der schwarzen Farbe ab. Beiträge in diesem Thread
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