Wellenförmige Muster zeigten sich auf den Wänden. Immer wieder veränderte sich ihre Form und Lage. Es war als würde sie an der Küste sitzen und dem Wellenspiel lauschen und zusehen. Der Schrei der Möwe, welche gerade unweit ihres Hauses vorbeizog, verstärkte diesen Eindruck noch mehr. Shenia richtete ihren Blick wieder auf den Elementar der dort vor ihr in ihrem Haus stand. Bisher hatte sie sich wenig für Beschwörungen interessiert. Doch die letzten Tage richtete sie ihr Augenmerk immer wieder darauf. Es war schon ein Kuriosum lebendes Wasser zu beobachten. Wie hielt er seine Form? Ihr Blick entrückte etwas als sie auf die astrale Ebene wechselte. War sie anfangs noch etwas geblendet von der magischen Aura des Wasserelementars, konnte sie nun deutlicher die magischen Linien ausmachen, die das Wesen überzogen. Vorsichtig fuhr sie mit der Hand über den Arm des Wesens. Immer wieder einzelnen Linien folgend. Dann an einem Kreuzungspunkt verharrte sie. Legte den Kopf etwas schief und sandte einen kurzen magischen Impuls durch ihren Finger. Die Linien flackerten auf und dann zerriss das Netz unter ihrem Zeigefinger. Augenblicklich ergoss sich ein Schwall Wasser auf den Boden. Der Elementar verharrte immer noch an Ort und Stelle, nun jedoch mit einem Arm weniger. Sie wartete und studierte wie sich das magische Netz wieder in seine ursprüngliche Form begab und der Arm langsam wieder aus dem Wesen herauswuchs. Ein Wisch mit der Hand und der Körper Wesens fiel in sich zusammen. Sie hatte vorsorglich einen Bottich in die Mitte des Raumes gestellt. Es war doch sehr mühsam nach jedem Versuch die Feuchtigkeit aus dem Raum zu bekommen. Shenia legte die Hand auf des Wasser in dem Behälter. Es bildeten sich feine astrale Linien aus jeder Fingerspitze, immer wieder verästelt und in sich greifend, kreuzend. Sanft ließ sie das Netz eintauchen in das Wasser. Und dann erhob sich eine kleine Kugel. Schwebte nur wenige Zentimeter über ihrer Hand. Es war ihr immer ein leichtes Gewesen, das Feuer oder die Luft zu manipulieren oder zu beschwören. Doch dies war etwas anderes. Wasser hatte Gewicht. Erde hatte auch Gewicht. Doch war diese fest und es bedurfte einem weit weniger engmaschigem Netz diese zu formen. Wasser hatte fast ein eigenes Leben. Es passt sich der Form an in welche man es gibt. Eine Weile noch ließ sie die Kugel vor sich schweben. Dann drückte sie von oben und unten das magische Netz zusammen, bis eine flache Scheibe entstand. Immer wieder veränderte sie die Form des Wassers. War es eben noch eine Scheibe, war es kurz darauf ein Schlauch. Ein Kreis. Je länger sie übte Tag für Tag, desto weniger Schwierigkeiten empfand sie dabei es nach ihrem Willen zu formen. Immer wieder ließ sie das Wasser ihrer Hand folgen. Und dann klopfte es an der Tür. Unwillkürlich richtete sie ihren Blick in die Richtung der Störung, als ihre Konzentration nachließ und ein platschen zur Folge hatte. Seufzend über die unwillkommene Störung und nun leicht durchnässt begab sie sich zur Tür. Es war nur ein kurzer Wortwechsel, dann schickte sie den Boten wieder fort. Einen Tag hatte er ihr eingeräumt. Doch es waren nun schon mehrere Tage vergangen seit ihrer Botschaft und noch immer keine Nachricht. Sie wird wohl wieder die Initiative ergreifen müssen.
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