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Wenn das Gewebe zerfasert

Nat Sagosch

war dies nie ein gutes Zeichen. Irgendwann hatte er aufgehört zu zählen wie oft Novizen, Magier und selbsterklärte Erzmagier einen Zauber nicht kontrollieren konnten und sich dieser buchstäblich in Luft auflöste. Ein kleines Zucken war meist der Anfang, gefolgt von mehr oder weniger kompetenten Versuchen zu retten was nicht zu retten war. In ausnahmslos jedem Fall war es nur eine Frage von Augenblicken bis die gewirkte Struktur des Zaubers zerfaserte und sich die bereits kanalisierte Energie in die Umgebung, andere Sphären oder gar den Zaubernden selbst entlud.

Hier und jetzt stand er vor einem ähnlichen Problem.

Das Ende hatte begonnen.

Ein nicht wieder rückgängig zu machender Anfang war getan und so war das Schicksal der Weste in seinen Händen besiegelt.
Einst perfekt geschneidert aus feinstem Stoff mit glatten Nähten die keinen Anfang und kein Ende erkennen ließen. Und doch hat die zeit auch von diesem Meisterwerk ihren Tribut gefordert. Das kurte Ende eines Fadens, dort wo vorher kein Faden zu sehen gewesen war und wo auch kein Faden zu sehen sein sollte.
Es wäre ein leichtes, den Faden auf magischen Wege verschweinden zu lassen und so zu fixieren, dass er sich nie mehr zeigen würde. Und doch würde er sich damit nur in die Reihen jener Novizen und Magier einreihen die versuchen aufzuhalten was nicht aufzuhalten ist.

Er würde ein neues Kleidungsstück benötigen. An sich nichts von großer Tragweite, doch galt Schneidermeister Laas seit langer Zeit als verschollen. Es würde Zeit benötigen einen adäquaten Ersatz zu finden, so sich ein solcher überhaupt finden lassen würde.

Er warf einen letzten Blick auf die Weste eher er zu der kleinen Glocke griff um mit ihrem hellen Klang einen der Novizen zu rufen.

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