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Traue keinem Menschen!

Iri'Tharn - Klaue der Nacht

Schwer gingen die Atemstösse des Hünen, der die Kapuze der riesigen Robe tief ins Antliz gezogen hatte. Beobachten konnten Außenstehende die wohl 2,20 m aufragende, verhüllte Gestalt, die sogar breiter als viele Barbaren wirken mochte. Doch verschleierte der Stoff viel von den wahren Ausmaßen.
Zu sehen waren massive Fäuste - fast eher Pranken - und bare Füße, die unter dem Saum des Stoffes herausragten.

Der Verhüllte näherte sich dem Marktstand der Tuchhändlerin und hielt ein paar Schritte davor an, als er eine zweite Gestalt bemerkt, deren Kleider die gleiche graueschwarze Färbung trug, die auch seinen Leib einhüllte.
Etwas wie ein leies Brummen, sehr tief und kehlig, entrinnt dem Halbdunkel der Kapuze, dann ein leichtes Nicken und ein gemurmeltes: "Bruder, Du hier?!"

Der Neuankömmling: deutlich kleiner, lange helle Haare, trat heran und antwortete im Flüsterton: "Ich bin eher erstaunt Dich an diesem Ort anzutreffen, Bruder!"
Die Reaktion folgte mit einem leisen Grollen: "Ich hörte Gerüchte, dass einer von uns hier gesehen wurde. Ich musste mich umsehen. Außerdem brauchte ich Stoffe. Aber lange halte ich es nicht aus! Gut, dass Du an meiner Seite bist, Kara'Edor."

Jäh wurde diese kurze und leise Unterredung unterbrochen. "Was ist das für ein Siegel, welches eure Gewänder ziert? Ich kenne einige: Die Paladine des Mondes, das Königlich Britannische Reich, die Handwerker vom Blackrock - aber eures habe ich nie zuvor gesehe!"

Der zuvor als Kara'Edor addressierte Mann trat näher an den Stand heran und begann zu reden, der Hüne wich zeigleich ein paar Schritt zurück. Als sich im Hintergrund die ersten Gardisten zeigten, drang ein tiefer Grolllaut aus der Kapuze heraus, den Gefährten warnend.

Dann ging alles schnell, immer mehr Menschen strebten auf die beiden Gestalten zu. Ein deutliches Knurren oder Grollen, während die riesige, aber unbewaffnete Gestalt Kara'Edor zurückzog und offensichtlich versucht ihn mit dem eigenen, massigen Leib abzuschirmen. Dann rannten die beiden gemeinsam los. Schwer klatschten die baren Füße auf das Kopfstein, als die zwei versuchten ihren Weg laufend durch die Gassen zu finden, verfolgt von Wächtern.
Die Fliehenden bogen in eine Sackgasse ein, die am hinteren Ende vor der äußeren Stadtmauer endete - die Verfolger kurz außer Sichtweite.

Kein Weg führte hier heraus und dennoch... Als die Wächter einbogen, trafen sie keine Flüchtenden mehr an.
Nur in der Entfernung dämpften nächtlicher Nebel und tiefliegende Wolken das Geräusch schlagender Schwingen, die zwei nicht mehr menschenähnliche Körper von der Hauptstadt forttrugen.

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