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Re: Re: Re: Hoppe hoppe Reiter, wer vorbereitet ist, kommt weiter!

Aenur Dent

Am nächsten Abend lag ein kalter Wind mit Nieselregen über Minnersbach.

Aenur wartete am Übungsplatz und beobachtete die Männer, wie sie mit stumpfen Klingen aufeinander eindroschen. Ihre Bewegungen waren schwerfällig, ihre Schritte zu laut. Keiner von ihnen hätte im Wald überlebt. Zu viel Gewicht in den schweren Rüstungen, zu langsam, zu wenig Gefühl und viel zu wenig Voraussicht. Es würde noch dauern, bis die neuen Rekruten bereit für das Schlachtfeld sind.

Talfar kam später.

Ein Blick und ein Nicken reichten. Sie brachen auf zu Lord Di'Loren.

Die Straßen lagen ruhig unter einem dünnen Schleier aus Rauch. Die Stadt wirkte müde, aber nicht schlafend. Irgendwo schlug Metall auf Metall, gedämpft durch Mauern und Entfernung. Die Schmiede der Stadt arbeiteten fleißig an weiterem Kriegsmaterial.

Das Anwesen von Jalron Di‘Loren hob sich vom Rest der Gebäude ab. Wachen standen ruhig und aufmerksam in der Dämmerung. Drinnen wurde es stiller. Ein Diener führte sie wortlos durch den Gang. Lord Di‘Loren stand vor dem Fenster, blickte hinaus in das ungemütliche Wetter und wandte sich ihnen zu, als sie eintraten. Sein Blick glitt erst über Talfar, dann zu Aenur. Kurz, prüfend.

Nach einem kurzen Nicken des Gildenlords begann Aenur ohne große Einleitung oder weitere Höflichkeiten.

Er legte dar, was eigentlich bereits entschieden war.

Die Garde war zu langsam. Die Wege wurden länger. Das Reich wuchs, und die bisherigen Strukturen würden nicht Schritt halten. Eine berittene Einheit war kein Luxus mehr, sondern notwendig, wenn man schnell agieren will.

Talfar übernahm, ohne dass ein Zeichen nötig war. Er sprach über Umsetzung, Stallungen, Ausbildung und Versorgung. Keine Ideen, sondern Arbeitsschritte. Aenur ergänzte, wo es sinnvoll war, und erwähnte die Einbindung der ni‘Dulanas und wie sie durch Zucht die Qualität der Tiere in Bezug auf Ausdauer und Leistung steigern könnten.

Es war kein Vorschlag der beiden Lords. Es war ein notwendiger Plan.

Di‘Loren unterbrach sie nicht. Er hörte zu, ging langsam durch den Raum, ließ den Blick über Tisch, Karten und schließlich wieder über die beiden Männer gleiten. Als sie geendet hatten, blieb es einen längeren Moment still.

Aenur und Mollog warteten. Nicht auf Zustimmung, sondern auf eine Reaktion. Di‘Loren blieb stehen und nickte dann knapp. Zustimmung – aber mehr noch: Zufriedenheit. „Gut“, sagte er schließlich.

Mehr brauchte es nicht. Man sah ihm an, dass ihm der Gedanke gefiel. Nicht wegen der Pferde. Wegen der Richtung. Weil jemand gehandelt hatte, bevor es nötig wurde. Wer vorbereitet ist, kommt weiter!

Sein Blick ruhte einen Moment länger auf Lord Dent und dann auf Hauptmann Talfar.

Die Worte, die folgten, waren ruhiger, aber schwerer. Die Burg.

Er sprach es nicht aus wie eine Erinnerung, sondern wie eine Grenze. Alles, was sie vorhatten, durfte sie nicht gefährden. Der Bau band Männer, Material und Zeit – und er würde es weiter tun.

Aenur sagte nichts, und Mollog nickte. Das war keine Einschränkung. Es war ein Rahmen. Di‘Loren akzeptierte ihren Plan. Er erwartete, dass sie ihn umsetzten. Sauber. Ohne Umwege. Ohne Ausreden. Und ohne die Burg zu verlangsamen.

Damit war alles gesagt, und nach einer kurzen Verabschiedung verließen die beiden Lords das Gildenoberhaupt.

Draußen war die Luft klarer als zuvor. Aenur blieb einen Moment stehen und sah zur Mauer hinauf. Sie wirkte unverändert. Doch er wusste, dass sich etwas verschoben hatte. Nicht sichtbar. Noch nicht. Neben ihm ging Talfar schweigend weiter. Sein Blick war nach innen gerichtet. Planung, Reihenfolgen, Engpässe. Die Burg ließ ihn nicht los, aber da war noch mehr, was in ihm vorzugehen schien. Etwas schien in ihm entfacht, was Aenur schon lange nicht mehr bei Lord Talfar so wahrgenommen hatte.

Aenur dachte auf dem Weg zur Mühle an Wege, die schneller wurden, an Männer, die sich bewegten, bevor der Feind es tat, und daran, dass gute Pläne selten an Ideen scheiterten, sondern an dem, was dazwischenlag.

Als sie sich trennten, klopfte er Lord Talfar zufrieden und freundschaftlich auf die Schulter.

Die Mühle lag ruhig vor ihm, und der Wind trieb ihm den feinen Regen unter die Kapuze seines Umhangs. Der Regen dämpfte die Geräusche der Nacht. Es war still. Als er zu den Flügeln der Mühle hinaufblickte, erinnerte er sich an das Bild von Flügeln im Wald, die nicht da gewesen waren. Aenur verzog das Gesicht und brummte genervt, als ihm der Gedanke an die Harpyie erneut in den Kopf schoss. Er atmete einmal tief durch, wandte sich ab und ging hinein, denn morgen wartete Arbeit.

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