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Ersatz muss her für das D.R.O.W

Lyr'sa Ky'Alur

Lyr'sa wartete noch, bis sich die Schritte der Kundschaft in den Straßen Elashinns verloren hatten. Erst dann schloss sie die Tür des Ladens und begann damit, ihre Beute des Abends zu sortierne. Zufrieden grinsend räumte sie die erhaltenen Flaschen in den alten Getränkeschrank zur Seite des Verkaufstresens. Das Möbelstück sah aus, als hätte es bereits drei Brände, einige Pländerungen und mindestens einen Hauskrieg überlebt. Dicke Metallgitter trennten den Kundenbereich von Ihrer Werkstatt und den wertvollsten Gegenständen, sowie natürlich ihrer Goldschatulle.
Vor dem Gitter standen Regale voller fragwürdiger Waren, die bis unter die Decke gestapelt waren. Zwischen rostigen Helmen, einzelnen Stiefeln, merkwürdigen Werkzeugen und staubigen Kisten hingen handgeschriebene Preissschilder, deren Beträge offenbar täglich aufs neue ausgewürfelt wurden.

Lyr'sa lehnte sich gegen den Tresen und begann zu kichern. Sie hatte tatsächlich ihre Mumie verkauft. Nicht irgendeinen Krug, kein kaputtes Schwert und auch keinen der billigen Liebesromane, die sie eigentlich viel zu gern selbst las. Nein. Die Mumie.

"Ha!", rief sie triumphierend in den leeren Laden. "Die haben sie wirklich gekauft. Und der Preis war nicht mal schlecht... Ich hab keine Ahnung wer der Kerl war..". Sie hielt eine Flasche Wein mit der Aufschrift 'Drachenblut' in Händen. Die würde Blicke fangen... und Kunden locken. Sie amüsierte sich noch weiter über den Verkauf und sinnierte darüber nach, wie sich die Dame einredete, es sei der ehemalige Ehemann der Ilharess gewesen. Lyr'sa hatte seinen Namen erwähnt... aber im Bezug auf ein anderes Werkstück welches sie geerbt hatte. Aber sie hatte den Fehler natürlich nicht korrigiert, denn die gute Dame bot immer mehr und mehr.

Ein Moment verging. Dann runzelte sie die Stirn.

"Verdammt!!"

Sie hatte nun keine Mumie mehr. Ein Krimskramsladen, eine Pfandleihe, ihr Laden (!!) ohne Mumie war ungefähr so sinnvoll wie eine Schmiede ohne Feuer oder ein Drow ohne Intrigen. Die Lücke musste geschlossen werden. Sofort. Sie schnappte isch entschlossen ihre Laterne und stopfte sich einen Spaten und einen Knüppel unter den Arm und verließ den Laden. Nur wenig später eite sie bereits durch die Gassen und Tunnel Elashinns in Richtung des Friedhofs und der Gruft. Der Plan? Denkbar einfach: Wenn man eine Mumie verkauft hatte, musste man eben eine neue beschaffen.

Während sie zwischen den Grabsteinen und Kanopen hindurchschlich, begann sie bereits zu überlegen, welche Geschichte sie erfinden würde um wen es sich hier handeln würde... Eine "Seltene antike Priesterin". Oder ein "Echter ehemaliger Ehemann einer berühmten Persönlichkeit". Oh ja - das klang teuer. Mit dieser geschäftstüchtigen Überlegung verschwand die Handwerkerin zwischen den dunklen Gräbern auf der Suche nach frischer Ware für ihr stetig wachsendes Sortiment.

Dann blieb Lyr'sa mitten zwischen den Grabsteinen stehen. Irgendetwas hatte sich bewegt.

Zunächst glaubte sie an einen Schatten oder an einen der üblichen Friedhofsbewohner, die nachts zwischen den Gräbern umherhuschten. Doch dann schob sich tatsächlich eine bandagierte Hand aus einem sich öffnenden Sarkophag, gefolgt von einem eingewickelten Arm und der restlichen Gestalt die ein langgezogenes, unheilvolles Stöhnen von sich gab, wie man es von uralten Flüchen, vergessenen Königen und besonders dramatischen Theateraufführungen erwarten würde.

Lyr'sa betrachtete die Erscheinung einige Sekunden lang aufmerksam. Dann nickte sie zufrieden.

„Perfekt.“

Noch bevor die Mumie einen weiteren Schritt machen konnte, holte sie mit dem Spaten aus und traf die Gestalt mit einem dumpfen Schlag direkt gegen den Schädel. Die Mumie schwankte, verlor augenblicklich das Gleichgewicht und fiel rückwärts zurück in ihr eigenes Grab.

„Bleib bloss liegen“, schimpfte Lyr'sa und deutete mit dem Spaten drohend auf die Grube hinab. „Die letzte Mumie hab ich gerade verkauft und ich hab wirklich keine Zeit, noch eine zweite suchen zu müssen.“

Als sich die bandagierte Gestalt erneut zu regen begann und ein Arm über den Grabrand kroch, seufzte die Handwerkerin schwer, hob den Spaten ein weiteres Mal und beförderte ihren zukünftigen Lagerbestand mit einem zweiten, sehr geschäftsmäßigen Schlag zurück in die Horizontale.

Sie würde sich noch etwas Weihwasser aus dem Tempel besorgen müssen - oder besser Ruchi fragen. So lange müssten die Mumie wohl oder übel gut verschnürt und angekettet zunächst im Keller liegen bleiben müssen.

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