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eine Herde muss her!

Lyr'sa Ky'Alur

Lyr’sa starrte Ruchi für einen Moment einfach nur an. Sie versuchte gerade die Möglichkeiten abzuwägen. Eine ganze Herde Schafe von der Oberfläche. Exotisch, fremd, mit einem Geruch, den der Drache aus Elashinn nicht gewohnt war. Es war so absurd, dass es beinahe schon wieder genial war.

„Schafe.“

Ruchi nickte eifrig. „Schafe.“

Lyr’sa verschränkte die Arme vor der Brust und begann langsam durch den Raum zu gehen. In ihrem Kopf fügte sich gerade ein Problem nach dem anderen zu einer erstaunlich einfachen Lösung zusammen. Sie musste nicht gegen einen Drachen kämpfen. Sie musste ihn nicht bezaubern. Sie musste auch nicht herausfinden, wie man einen ausgewachsenen Drachen überlistete. Sie musste lediglich dafür sorgen, dass er etwas interessanter fand als eine kleine Drow, die sich unbemerkt auf das Gelände der Sorcere schleichen wollte.

„Eine ganze Herde“, murmelte sie schließlich. „Natürlich.“
„Ich wusste, dass du es verstehst.“
„Und von der Oberfläche.“
„Genau.“
Lyr’sa blieb stehen und sah Ruchi an. „Je fremder sie riechen, desto besser?“
„Das war zumindest meine Überlegung.“
„Dann sollten es keine gewöhnlichen Schafe sein.“
Ruchi grinste. „Zwergische Ziege. Elfische Schafe. Schafe. Orkische Böcke.“

Bei dem letzten Wort blieb Lyr’sas Blick für einen Moment an Ruchi hängen.

„Orkische Böcke.“
„Ja.“
„Gibt es überhaupt orkische Böcke?“
„Keine Ahnung.“
Lyr’sa nickte langsam. „Dann werde ich wohl eines finden müssen.“

Damit war die Sache für sie offenbar entschieden.
Daheim ging sie zu einem kleinen Schrank, öffnete ihn und begann, darin herumzukramen. Verschiedene Dinge wanderten auf den Tisch: ein Bündel Seile, mehrere Lederhandschuhe, ein altes Messer, ein Stück Stoff und schließlich ein kleiner Beutel mit Münzen. Ruchi beobachtete das Treiben mit wachsendem Vergnügen.

„Was genau hast du vor?“
„Eine Herde beschaffen.“
„Beschaffen?“

Lyr’sa hielt kurz inne und sah zu ihr hinüber.

„Ich werde einen Schäfer suchen.“
„Und dann?“
„Dann werde ich ihn davon überzeugen, mir seine Schafe zu überlassen.“
Ruchi hob eine Braue. „Mit Geld?“

Lyr’sa blickte auf den kleinen Münzbeutel in ihrer Hand. Dann auf die Größe einer ausgewachsenen Schafherde. Anschließend wieder zu Ruchi.

„Nein.“

Ein schiefes Lächeln erschien auf ihren Lippen.

„Mit Nachdruck.“

Sie begann, die Seile zusammenzurollen. Schließlich ging es hier um eine gute Sache. Ungosch und Callandra wollten eine Mumie. Dafür brauchte sie Informationen. Für die Informationen musste sie in die Sorcere. Und um in die Sorcere zu gelangen, musste ein Drache abgelenkt werden. Dass dafür möglicherweise ein völlig unbeteiligter Schäfer seine Herde verlieren würde, war bedauerlich. Aber eben auch nicht ihr eigentliches Problem.

„Ich brauche nur einen Schäfer, der weit genug von anderen Leuten entfernt ist“, überlegte Lyr’sa laut. „Eine Herde, die groß genug ist. Und einen Weg, die Tiere nach Elashinn zu bekommen.“

Sie sah auf.

„Das dürfte nicht allzu schwierig sein.“

Ruchi schüttelte amüsiert den Kopf. „Du bist dir wirklich sicher, dass das funktioniert?“

„Nein.“

Sie steckte das Messer ein.

„Aber ich bin mir sicher, dass es einen Versuch wert ist.“

Damit war der Plan gefasst. Eine Herde Schafe von der Oberfläche würde ihren Weg nach Elashinn finden.
Und wenn der Drache tatsächlich eine Vorliebe für fremdartige Schafe besaß, würde Lyr’sa schon bald herausfinden, wie sehr.

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