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Määähhhh.... und weg!

Lyr'sa Ky'Alur

Lyr’sa rannte. Das allein wäre noch keine besonders bemerkenswerte Feststellung gewesen, wäre sie dabei nicht gerade durch das Unterholz eines fremden Waldes gestürmt, einen prall gefüllten Sack über der Schulter, aus dem in regelmäßigen Abständen ein empörtes „Bäääh!“ ertönte. Der Inhalt des Sackes war dabei ausgesprochen lebendig und teilte Lyr’sas Meinung über die aktuelle Situation offenbar überhaupt nicht. Bork hatte sich bereits mehrfach beschwert, doch Lyr’sa war der festen Überzeugung, dass ein geschrumpfter Orkbock in einem Sack wesentlich weniger Aufmerksamkeit erregte als ein ausgewachsener.

Hinter ihr wurden die Rufe der Orks lauter. Offenbar hatte man inzwischen bemerkt, dass nicht nur ein Bock, sondern auch einige Ziegen fehlten. Und die Orks schienen ausgesprochen wenig Verständnis für Lyr’sas Interpretation von „Beschaffung“ zu haben. Allen voran stampfte der gewaltige Chefobabozza durch den Wald, ein massiger Ork, der Lyr’sa inzwischen hauptsächlich daran erkannte, dass er deutlich größer war als alle anderen und ausgesprochen laut brüllte. Zwischen den Bäumen tauchten immer wieder weitere Gestalten auf, während Lyr’sa sich gerade noch an einem Ast vorbeidrücken konnte.

„Nicht jetzt!“, zischte sie in Richtung des Sackes, als Bork erneut lautstark protestierte.

Als Antwort kam ein noch empörteres Blöken. Lyr’sa sah bereits zwischen den Bäumen das vertraute Schimmern ihres Ostards. Myar’klez wartete dort, wo sie ihn vorsichtshalber abgestellt hatte. Noch ein paar Schritte. Dann war sie da. Sie schleuderte den Sack kurzerhand über den Sattel, schwang sich hinauf und trieb den Ostard sofort an. Hinter ihr brach der erste Ork aus dem Unterholz.

Ein Bolzen schoss vorbei. Lyr’sa duckte sich instinktiv und presste sich an den Hals des Ostards. Ein Pfeil schlug irgendwo vor ihr in den Boden, während ein weiterer nur knapp an ihrem Haar vorbeizischte. Sie wagte kaum noch nach hinten zu sehen, bis plötzlich ein Schatten über sie hinwegflog.

Eine Wurfaxt. Für einen kurzen Augenblick wirkte sie auf Lyr’sa geradezu gigantisch. Sie riss den Kopf zur Seite, und die Axt flog so dicht an ihr vorbei, dass sie den Luftzug spürte, bevor sie mit einem dumpfen Krachen in einem Baum einschlug.

„Das war unnötig!“, rief Lyr’sa empört zurück.

Myar’klez schien dieser Meinung nicht zu sein und beschleunigte noch einmal. Die Stimmen der Orks wurden schwächer, die Schüsse seltener, bis schließlich nur noch das Hufgetrappel des Ostards und das beleidigte Blöken aus dem Sack zu hören waren.

Als die Tore Elashinns endlich in Sicht kamen, war Lyr’sa bereits völlig außer Atem. Sie zügelte Myar’klez und atmete schwer durch, während sie sich vergewisserte, dass Bork noch da war.

Er war da, natürlich er beschwerte sich.
Am großen Platz Narbondel wartete bereits Tath’raen. Er sah zunächst den Ostard an, dann Lyr’sa, anschließend den Sack, aus dem erneut ein lautes „Määäh!“ erklang.

Sein Blick wanderte langsam zurück zu Lyr’sa. Tath’raen sagte nichts.
Er schüttelte lediglich den Kopf.
Lyr’sa lächelte unschuldig.

„Ich kann das erklären.“

Das machte es vermutlich nicht besser.

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