Zunächst sah Lyr'sa Tath'raen einfach nur an. Der Blick wanderte von seinem Gesicht, zu seinem Finger, und schließlich zu dem Sack, der sich auf ihrem Ostard immer noch verdächtig bewegte und blökte. Sie räusperte sich und setzte schließlich ein möglichst unschuldiges Lächeln auf. „Nun, eigentlich ist das eine ausgesprochen einfache Angelegenheit“, begann sie und stieg von Myar’klez ab. „Du weißt doch, dass die Rothen im Arbeitslager regelmäßig versorgt werden müssen. Und bei den derzeitigen Beständen fehlt es dort bedauerlicherweise an ... äh... frischem Blut! Ja genau.“ Lyr’sa nickte dabei so überzeugt, als hätte sie gerade die vernünftigste Erklärung der Welt geliefert. Dass sie dafür bis ins Orkland gereist war, einen Orkbock entwendet, ihn mit einem Schrumpftrank verkleinert und anschließend unter Einsatz ihres Lebens durch einen Wald geschleppt hatte, erwähnte sie selbstverständlich nicht. Tath'raen musste nicht alles wissen! „Und da die Orks nun einmal überaus... kräftige Tiere besitzen, erschien mir das eine gute Gelegenheit.“ Sie zuckte mit den Schultern und begann, den Sack vorsichtig vom Sattel zu nehmen. „Ich wollte schließlich nur helfen.“ Tath’raens Gesicht verriet nicht sonderlich viel. Das machte Lyr’sa allerdings eher nervös als erleichtert. „Also“, fuhr sie hastig fort, „habe ich einen geeigneten Bock gefunden, ihn mitgenommen und werde ihn jetzt Drevok im Arbeitslager übergeben. Eine vollkommen harmlose Angelegenheit.“ Wieder bewegte sich der Sack. „Määäh!“ Lyr’sa klopfte beruhigend darauf. „Siehst du? Er ist sogar sehr kooperativ.“ Für einen Moment herrschte Stille. Lyr’sa sah Tath’raen an und versuchte, seinem Blick standzuhalten. Dann fügte sie etwas leiser hinzu: „Und mit der Sorcere hat das selbstverständlich überhaupt nichts zu tun.“ Sie verstummte. Das war vermutlich der Moment, in dem sie selbst bemerkte, dass sie gerade etwas gesagt hatte, wonach niemand gefragt hatte. Lyr’sas Lächeln wurde ein wenig schmaler. „...also. Genau.“
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