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Eine Frage der Ressourcen (Eine Mumie für das D.R.O.W)

Zynrae Ky'Alur

Man würde ja meinen, dass es in der Sorcere vor allem um Magie ging. Je weiter man allerdings in der Machthierarchie nach oben kletterte, desto deutlicher wurde einem, dass es noch wesentlich leidigere Aufgaben gab, zum Beispiel die Verwaltung von Ressourcen. Und so hatte Zynrae den gesamten Tag nicht etwa mit ihrer Forschung verbracht, sondern damit, alle möglichen Dinge zu zählen, zählen zu lassen und anschließend zusammenzutragen. Eine wirklich nervige Aufgabe. Wer wollte schon auf das Stück genau wissen, wie viele leere Flaschen in der Sorcere existierten? Nun, die Magierin zumindest nicht.

Als schließlich ein lautes Blöken vom Hof zu ihr herüberwehte, war sie daher beinahe dankbar für die Ablenkung. Weniger dankbar war sie allerdings, als sich ein panisches Schaf an ihr vorbeizudrängen versuchte, kaum dass sie das Tor zum Hof des blauen Drachen geöffnet hatte. Zynrae reagierte einen Augenblick zu spät. Das Tier quetschte sich an ihr vorbei und verschwand in der Sorcere. Die Drow blickte ihm kurz hinterher. Nun gut. Diesen kleinen Sieg hatte es sich vermutlich verdient. Sie beschloss, sich später darum zu kümmern, und trat hinaus in den Hof.

Das Bild, das sich ihr dort bot, hatte sie allerdings nicht erwartet. Die riesige blaue Echse stand mitten auf dem Platz. Um ihn herum rannten kreischende Schafe in alle Richtungen, deren Wolle an verschiedenen Stellen brannte. Offenbar hatte der Drache herausgefunden, dass die Tiere noch wesentlich lauter schrien und schneller liefen, wenn man sie ein wenig anzündete. Fast hätte man seinen Gesichtsausdruck als amüsiert bezeichnen können. Zynrae machte eine kurze Bewegung mit der Hand, woraufhin sich eine schützende Hülle aus Schatten um ihre Gestalt legte. Dann trat sie bis zu den mächtigen Vorderbeinen des Drachen. Für einige Augenblicke standen sie einfach nebeneinander und betrachteten das Schauspiel. Eigentlich fehlte nur noch ein kühles Getränk.

Schließlich räusperte sich Zynrae. „Nun, ich verstehe durchaus, dass dich das amüsiert. Allerdings machen sie einen Höllenlärm.“ Der Drache reagierte zunächst nicht. Zynrae wusste, dass er mehr als satt war. Er jagte die Schafe also nicht aus Hunger. Er spielte lediglich mit ihnen, bis sie nun ja … irgendwann nicht mehr spielen konnten.

Schon vor langer Zeit hatten die beiden eine Art Pakt miteinander geschlossen. Spätestens nachdem ihm klar geworden war, dass er sie nicht einfach würde töten können. Sie versorgte ihn mit bestem Fleisch und dafür röstete er nicht wieder eine der Dienerinnen. Eine durchaus vernünftige Vereinbarung.

„Also, du oder ich?“ Während sie die Frage stellte, sammelten sich bereits die Schatten um ihre Finger. Der Drache senkte langsam seinen gewaltigen Kopf. Ein tiefes Fauchen vibrierte durch den Hof. Zynrae hob leicht eine Augenbraue. Das war wohl Antwort genug.

Im nächsten Augenblick verwandelte sich der Innenhof in ein Flammeninferno. Hitze schlug gegen ihre Schattenbarriere. Feuer raste über den Stein und verschluckte innerhalb weniger Herzschläge das panische Blöken. Inmitten des Feuers standen der Drache und die Magierin beinahe einträchtig nebeneinander. Zynrae öffnete eine Hand. Schatten schossen über den Boden, legten sich um die Flammen und erstickten die Hitze in ihrer Mitte.

Stille kehrte ein. Von den Schafen war keine Spur mehr zu sehen. „Bwael.“ Zufrieden nickte sie dem Drachen zu und wollte sich gerade abwenden.

Da hob die Echse plötzlich den Kopf. Ein tiefes Schnaufen. Dann noch eines. Witternd wandte sich der Drache dem Tor am anderen Ende des Hofes zu und setzte sich langsam in Bewegung. Zynrae blieb stehen. Ihr Blick folgte ihm.

War da etwa noch ein Schaf übrig geblieben?

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