Bork außer Rand und Band
Bork - der Orkbock
Bork hatte inzwischen beschlossen, dass dieser Ausflug eine Zumutung war. Zuerst war er von einer weißhaarigen Drow entführt, geschrumpft, in einen Sack gestopft und durch die Gegend geschleppt worden. Nun befand er sich inmitten einer Herde fremder Schafe vor einem gewaltigen Tor, hinter dem es verdächtig nach Ärger roch. Er hatte gerade begonnen, sich darüber zu beschweren, als ein tiefes Grollen die Luft erschütterte. Lyr’sa, die sich hinter einem Busch duckte, lugte vorsichtig hervor. Der blaue Drache war tatsächlich auf die Herde aufmerksam geworden. Was folgte, war allerdings weniger die erhoffte Ablenkung als vielmehr eine ausgesprochen gründliche Bestandsreduzierung. Flammen leckten über den Innenhof, Schafe stoben auseinander und Bork entschied, dass es höchste Zeit sei, sich aus dieser Angelegenheit herauszuhalten. Während der Orkbock mit bemerkenswerter Geschwindigkeit davonstob, nutzte Lyr’sa das Chaos. Sie warf sich den mitgebrachten Schafspelz über, stopfte die wolligen Enden zurecht und hastete zum Zaun. Mit dem Schäferstab in der einen und dem Rocksaum in der anderen Hand kletterte sie hinüber. Ein Stiefel blieb hängen, der Pelz rutschte ihr über die Augen, und ihre Landung auf der anderen Seite war alles andere als elegant. Doch sie war drin! Bork hingegen hatte inzwischen eine ganz eigene Lösung für sein Problem gefunden. Als der Drache erneut den Kopf hob, stand der Orkbock mitten auf dem Hof, die Hörner erhoben und offenbar fest entschlossen, sich von diesem blauen Ungetüm nicht einschüchtern zu lassen. Ein kräftiges „MÄÄÄÄH!“ hallte durch die Sorcere. Lyr’sa erstarrte hinter dem nächsten Mauerwinkel. „Bork, du verdammter...“ Der Drache wandte seinen gewaltigen Schädel dem Geräusch zu. Lyr’sa duckte sich tiefer, zog den Schafspelz über den Kopf und schlich weiter. Bork hatte ihr gerade die perfekte Ablenkung verschafft. Unfreiwillig, versteht sich. Aber was erwartete man auch von einem Orkbock?
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