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Niemand hat mich gesehen! - glaube ich

Lyr'sa Ky'Alur

Es war grundsätzlich erst einmal beruhigend, dass Lyr'sa einen Plan hatte.
Einen einfachen Plan obendrein. Elashinn verlassen, niemanden ansprechen, niemandem auffallen und vor allem keinem Wächter erklären müssen, warum sie mit Seilen, einem Messer und einer bemerkenswert entschlossenen Miene unterwegs war.

Schleichen war also angesgt.

Also schlich sie - zumindest ihrer eigenen Einschätzung nach.

Sie bewegte sich durch die Straßen, blieb stehen, sobald irgendwo eine Wache auftauchte, und wartete geduldig, bis diese in eine andere Richtung blickte. Dann ging es weiter. Hinter einer Säule entlang. Durch einen Seitengang. Kurz hinter einem Stand verschwunden - abgeduckt, bis der Blick des nächsten Sargtlin über die Straße wanderte, und der Händler verwirrt dreinschaute.

Einmal blieb Lyr’sa sogar abrupt stehen, als eine Wache um eine Ecke bog. Sie drückte sich gegen eine Hauswand. Der Wächter ging vorbei. Lyr’sa wartete.
Noch einen Moment. Dann noch einen. Dann sah sie nach oben und bemerkte den alten Drow der auf den Fenstersims gelehnt nach unten schaute und leicht den Kopf schüttelte.

Dann setzte sie ihren Weg fort. Ein breites Grinsen schlich sich auf ihr Gesicht. Das lief hervorragend. Niemand hatte sie bemerkt. Niemand hatte sie angesprochen. Niemand hatte auch nur den geringsten Verdacht geschöpft. Dass sie dabei zweimal vollkommen unnötig hinter irgendwelchen Kisten in Deckung gegangen war und einmal beinahe mit einem Händler zusammengestoßen wäre, musste dabei nicht weiter erwähnt werden.
Schließlich lag der Ausgang vor ihr. Lyr’sa blieb noch einmal stehen und sah zurück auf Elashinn.
Dann zog sie ihren Mantel etwas enger, überprüfte den Sitz ihres Seils und grinste.

„Schafe.“

Mit diesem Gedanken verschwand sie durch den Ausgang. Nun musste sie nur noch einen Schäfer finden.

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