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Auf der Spur des Steins

Yllaria

Einsamkeit. Welch ein Geschenk ihre Verbindung zum La doch darstellte. Früher hätte Yllaria vermutlich nicht einmal auf diese Weise darüber nachgedacht, doch jetzt empfand sie diese Verbindung anders. Bewusster. Vielleicht auch, weil sie inzwischen wusste, dass selbst etwas so Selbstverständliches ins Wanken geraten konnte. Einsamkeit kannte sie eigentlich nur aus den Erzählungen anderer oder aus jenen Momenten, in denen ihr Gegenüber sie empfand und ein Echo dieses Gefühls zu ihr hinüberdrang. Mitleid erfüllte sie, während sie neben Are’vin herlief und an ihr Gespräch zurückdenken musste. Niemand verdiente es, sich einsam zu fühlen. Und das Echo seiner Gefühle in jenem Augenblick war schrecklich gewesen. Wie eine Leere, die sich über alles andere gelegt hatte. Ihr Blick glitt kurz zu ihm. Der Lichtelf wirkte so viel eindrucksvoller als sie selbst. Wie ein Sonnenstrahl in tiefster Nacht. Stärke und eine selbstverständliche Präsenz umgaben ihn. Und dennoch, als sie das La sanft unter sich pulsieren fühlte, die Bäume um sich herum spürte und selbst zu einem der Blätter wurde, hätte sie mit keinem Geschöpf tauschen wollen. Tiefe Freude und Zufriedenheit breiteten sich in ihr aus und vertrieben für einen Moment alle anderen Gedanken. Sie gehörte immer noch hierher. Sie war immer noch Teil des Ganzen. Auf ewig verbunden mit der Magie der Bäume, die sie umgaben.

Langsam näherten sie sich jener Stelle, die sie bereits seit einiger Zeit in ihre Richtung zog. Fast gleichzeitig blieben sie stehen, als Geräusche durch den Wald drangen. Stein, der über Stein rieb. Schwere, dumpfe Schritte. Geräusche, die nur allzu vertraut waren. Gargoyles. Eine knappe Handvoll, wenn sie richtig schätzte. Vorsichtig näherten sie sich, doch kaum hatte der erste Gargoyle sie wahrgenommen, ging er bereits auf Are’vin los.

Und da kam jener Moment, in dem Yllaria zunächst nur staunend danebenstehen konnte. Hatte sie den Lichtelfen eigentlich schon einmal kämpfen sehen? Sie glaubte nicht. Dabei war es beinahe hypnotisch anzusehen. Ein eleganter Tanz aus Stahl und Licht. Jede Bewegung fließend und scheinbar mühelos. Für wenige Augenblicke vergaß sie sogar, dass sie mitten in einem Kampf standen. Es sah wirklich wunderschön aus. Vielleicht war das ebenfalls etwas, das sich verändert hatte. Seit ihrer Wandlung nahm sie manche Dinge intensiver wahr. Bewegungen erschienen klarer, einzelne Augenblicke länger, als gäbe ihr neuer Körper ihr mehr Zeit, sie zu erfassen. Oder aber sie bildete sich das nur ein. Vermutlich suchte sie einfach bewusster nach Schönheit als zuvor.

Als sie sich schließlich aus ihrer Beobachtung losreißen konnte, waren nur noch zwei der Gargoyles übrig. Ein wenig beschämt darüber, wie lange sie lediglich zugesehen hatte, streckte Yllaria die Hand nach vorne. Ihre Magie antwortete unmittelbar und einen Moment später sackte einer der Gargoyles tot zu Boden, den Schädel von einer Woge reiner Energie zertrümmert. Für einen Moment betrachtete sie die reglose Gestalt. Nun, ihr Anteil an diesem Kampf war trotzdem nicht besonders groß gewesen. Sie ließ sich einfach weiterhin viel zu leicht ablenken. Ein kleines Schmunzeln glitt über ihre Züge und brachte einen Teil ihrer gewohnten Leichtigkeit zurück.

Are’vins Aufmerksamkeit hingegen schien bereits auf etwas anderes gerichtet zu sein. Er beugte sich über einen der Gargoyles und seine behandschuhten Finger schlossen sich um einen kleinen Gegenstand. Dann richtete er sich wieder auf, trat zu ihr und legte ihn in ihre offene Hand. Neugierig senkte Yllaria den Blick auf den Stein, der ihre Haut berührte.

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