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Jäger und Sammler [Lacrima - Prolog Abschluss]

Beobachter

Die letzte Quelle war nicht ergiebig genug, aber das Mahl war notwendig gewesen. Die Wechsel wurden immer anstrengender und verlangten dem Wesen immer mehr ab. In diesem Moment musste entschieden werden, ob eine Jagd oder eine Sammlung nun zu vorzuziehen wäre. Vielleicht war aber auch beides möglich?

Ein blickloser Blick streckte sich und fiel sich auf eine Ansammlung von Holz, Lehm und Steinen inmitten einer Ansammlung von Leben, menschlichem Leben. Britain nennen die Menschen diesen Ort in dieser Sphäre. Die Leben pulsierten wundervoll, aber alles zu nehmen wonach es dürstete, wäre zu gierig gewesen. Zu viel zu nehmen, würde Aufmerksamkeit bedeuten. Eine Aufmerksamkeit, die ganz und gar nicht erwünscht war.

Das Bewusstsein suchte nach etwas Besonderem, das sein Interesse weckte. Es wurde fündig ganz im Herzen dieser Stadt in einer besonders hohen Auftürmung von Steinen. Der Sammlertrieb wurde geweckt. Fließende Nebelfasern glitten durch Wände, die bedeutungslos waren, bis ein prächtiges Schlafgemach erreicht wurde. Dort lag eine Frau, die sich der Präsenz nicht gewahr war. Es musste vorsichtig sein. Die Schnitte mussten im Verborgenen getan werden, wie dereinst auch bei Lamarit und Melan.

Es sammelte seine Konzentration und tat zunächst einen vorsichtigen, aber präzisen Schnitt und dann einen weiteren mit mehr Selbstvertrauen, bis schließlich ein Teil der Person abgetrennt war. Es war kein Körperteil, sondern eher ein Teil des Seins der Person, der dort zerschnitten wurde. Fingerlose Finger glitten durch die eigene Sammlung, und Stücke aus der Sammlung wurden anstelle des abgetrennten Teils im Sein der Person platziert. Eine dünne Nadel stach eine feine Naht hinein, die keine Naht war, um die Bruchstücke zu verbinden. Dies geschah sehr sorgsam, wie zuvor bei Melan und Lamarit, sodass möglichst wenige Spuren zurückblieben. Schließlich sollte keine Aufmerksamkeit erregt werden.

Plötzlich spürte es Augen auf sich. Nicht die Augen der dort Schlafenden, sondern die Augen derer, die nach ihm fahndeten. Die Präsenz der Häscher war schon fast spürbar. Schnell wurde die Beute umschlossen und der Weg in die Zerrflucht angetreten. Es sprach sprachlos in die Zerrflucht hinein, zu dem abgetrennten Teil in seinen fingerlosen Händen, und ein lippenloses Grinsen flackerte auf: „Seid gegrüßt, Laienne. Willkommen in meiner Sammlung!“

Auch wenn es wusste, dass diese Teile nicht sprechen konnten und nur ein kleines Fragment eines Ganzen waren, während der größte Teil der Person zurückgelassen wurde, verschaffte diese unnötige Ansprache doch eine gewisse Befriedigung.

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