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Wenn die Bürokratie zuschlägt

Paranax von Kord

Gemächlich schlenderte Paranax nach einer alkoholreichen Nacht im „Hammerschlag“ den Berg hinab. Ein kurzer Blick über die Brüstung zeigte ihm den erwachenden Hafen.
Die Händler öffneten bereits ihre Stände, Soldaten wechselten sich bei ihren Posten ab und auch das vertraute Schlagen von Metall auf Metall durch die klare Morgenluft war zu hören.
Sein eigentliches Ziel war eben der Ursprung jenes Geräusches, nämlich Marjorie, der Waffenschmied nahe der ersten Anlegestelle,
von dem man sagte, es gab noch keine Klinge, die er nicht hätte wieder in Form bringen können.

Doch noch bevor er den unteren Abschnitt des Hanges erreichte, zog ihn der Duft von angebratenem Speck,
Eiern und frisch gebackenem Brot in eine kleinere Gaststube. Die Wirtin vom „Grauen Fels“ war für ihr kräftiges Frühstück
zu einem schmalen Taler bekannt. Einzig der steile Weg hinauf hielt so manchen Morgenmuffel doch davon ab, es regelmäßig zu genießen.

Es war noch angenehm ruhig. Paranax nahm nahe dem Eingang, unweit der Theke, Platz und bestellte sich sein Frühstück.
In einer Ecke schlief noch ein Überbleibsel des Vorabends mit dem Kopf auf dem Tisch,
zwei junge Boten sprachen leise über ihren nächsten Auftrag und an der Theke saß ein kräftiger Mann,
dessen gedämpfte aber doch deutlich angespannte Stimme die Stille immer wieder unterbrach.

Eric Darten:
„Ich sage euch doch, das Haus auf der untersten Ebene von Cove, ganz im Norden der Stadt, gehört mir.
Ein kleines, zweistöckiges Gebäude, direkt an den Felsen angebaut, ein Traum!
Als Kind war ich zuletzt dort und nun hat es mir meine Tante vermacht…“
Seine Hand schloss sich unwillkürlich zu einer Faust.

Paranax hörte aufmerksam zu, während er zugleich darauf achtete,
das Eigelb und das Fett vom Speck nicht auf seinem Hemd zu verteilen.
Ein kurzes Kopfschütteln des Mannes folgte, ehe er weitersprach:

Eric Darten:
„Ich habe eine Urkunde samt Siegel aus Düsterhafen. Darin wird mir, Eric Darten, der Besitz des Hauses an der Klippe bestätigt.
Doch hier fühlt sich plötzlich niemand für mich zuständig, kein Eintrag oder was auch immer dieser Kasch meinte.
Stattdessen heißt es, das Gebäude solle versteigert werden, wegen ausgebliebener Zahlungen an das Reich.
Zahlungen von denen ich ja, bis vor kurzem, nicht einmal etwas wusste!“

Sichtlich angespannt nahm er einen tiefen Schluck aus seinem Krug Wein und stellte ihn daraufhin etwas zu hart wieder ab.

Nachdem er sein Frühstück beendet hatte, erhob sich Paranax, nahm den leeren Teller mit sich
und setzte sich mit seinem Krug an die Theke neben den aufgebrachten Mann.

Paranax von Kord:
„Einen guten Morgen wünsche ich, obwohl es offensichtlich ja nicht danach aussieht."
"Mein Name ist Paranax und ich lebe nun schon seit ein paar Wochen hier in Cove."
"Euer Gespräch war kaum zu überhören und wenn es Euch recht ist, würde ich gerne einen Blick auf das Schreiben werfen."
fragte er ihn mit ruhiger Stimme und freundlichem Gesichtsausdruck.

Eric Darten:
„Hier, nehmt nur. Es scheint ohnehin nichts wert zu sein.“
Schnaubte der Mann leise in seine Richtung

Mit einer ruckartigen Bewegung schob er das Pergament über den Tresen zu ihm hinüber.

Mit knappem Nicken ließ Paranax den Zeigefinger Zeile für Zeile über das Pergament gleiten,
nahm einen kräftigen Schluck aus seinem Krug und sah Eric dann gefasst an.

Paranax von Kord:
„Nun, solange aus Düsterhafen keine offizielle Bestätigung hier in Cove eingegangen ist,
wird man Euch das Haus auch nicht überschreiben und genau danach sieht es aus.“, erklärte er sachlich.
„Was allerdings ungewöhnlich ist. Denn, sobald Ihr im Besitz eines solchen Schreibens seid,
müsstet Ihr auch im Liegenschaftsregister des Reiches, oder im Bürgerbuch von Cove verzeichnet sein.“

Er legte das Pergament behutsam auf den Tresen zurück und schob es mit den Fingerspitzen wieder rüber zu Eric.

Paranax von Kord:
„Ich vermute daher eher einen fehlenden Eintrag, der seinen Weg bis hierher scheinbar nie vollendet hat.
Und ohne diesen Eintrag fehlt Euch hier schlicht die Grundlage, da kann euch auch nicht wirklich jemand aus Cove weiterhelfen.“

Einen Moment lang schwieg Paranax, sein Blick glitt nachdenklich ins Leere hinter die Wirtin, ehe er ruhig fortfuhr:

Paranax von Kord:
„Man muss schon sagen, dass ihr in gewisser Weise sogar Glück habt gerade hier zu sein.
Ich werde nämlich morgen früh geschäftlich nach Düsterhafen reisen. Dort kenne ich jemanden,
der mir noch einen kleinen Gefallen schuldet und der sich dieser Angelegenheit annehmen kann.“

Eric drehte sich daraufhin, sichtlich überrascht, nach rechts zu ihm und wirkte doch etwas erleichtert.

Eric Darten:
„Das würdet Ihr für mich tun? Ihr kennt mich doch gar nicht.
Versteht mich nicht falsch, ich bin euch wirklich sehr dankbar und nehme euer Angebot gerne an.“

Ein Schmunzeln glitt über Paranax‘s Lippen

Paranax von Kord:
„Ich bin ja ohnehin dort und es dürfte kein großer Aufwand sein,
abgesehen davon seid ihr ja nun ein neuer Bürger der Stadt, da hilft man doch gerne.
Vielleicht übergeben sie mir das fehlende Eintragungsschreiben direkt, dann bringe ich es bei meiner Rückreise mit.“
Er erhob sich und deutete in Richtung Türe.

Paranax von Kord:
„Begleitet mich doch ein Stück und erzählt mir etwas über euch, ich müsste etwas unten am Hafen erledigen.
Wenn Ihr neu hier in Cove seid, schadet es sicher nicht, die ein oder anderen Wege kennenzulernen.“

Er nahm die Einladung an und gemeinsam verließen sie die Taverne,
sprachen auf dem Weg über seine vergangenen Jahre im Dienst und verschwanden schließlich durch das Tor der Schmiede.

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