Unliebsame NachbarnJahrelang hatte er hier seine Ruhe gehabt. Ein kleines Haus an einem sicher geglaubten Ort. Nach Norden und Westen durch Felsen und nach Osten durch den Sumpf begrenzt. Zwar war ihm die Besetzung des nicht weit entfernten Passes durch eine Gruppe Ettins durchaus bewusst, doch niemals wäre Dyonoxis auf die Idee gekommen, dass diese sich erdreisten könnten, in sein Tal - in seine Mine gar einzufallen. Doch genau so war es geschehen. Und nun hausten sie dort. In direkter Nachbarschaft zu Dyonoxis. Eine ohne Zweifel gefährliche Nachbarschaft, die sicherlich eher kurz- als langfristig zu einem massiven Problem werden würde. Es musste also schnell etwas unternommen werden, ehe die Ettins gar auf die Idee kommen könnten, sich statt in der dunklen, kalten Mine in Dyonoxis' Haus einzurichten. Früher hätte er sicherlich nicht lange gezögert. Er hätte nach seiner Kriegsaxt gegriffen und sich in den Kampf gestürzt. Und vielleicht hätte er damals sogar eine Chance auf einen Sieg gehabt. Doch die Jahre waren auch an Dyonoxis nicht spurlos vorbei gezogen. Die Gelenke schmerzten, die Kondition hatte nachgelassen und auch die Muskeln hatten nicht mehr die einstige Kraft. Wie der Zufall es so wollte, hatte Dyonoxis sich gerade in den Tagen zuvor intensiv mit der Wirkung von giftigen Kräutern beschäftigt. So lag es auf der Hand, dass seine neu erlernten Fähigkeiten zur Anwendung gebracht werden sollten. Genügend giftige Substanz hatte er zweifellos eingelagert und die Art der Verabreichung war auch schnell beschlossen. Es sollte die maßlose Völlerei der Ettins sein, die ihnen den Garaus machen sollte. Sorgfältig entfernte Dyonoxis die Korken aus einigen Flaschen seines liebsten Rotweins. Aus jeder Flasche wurde lediglich ein kleiner Schluck entfernt, in einer großen Schale aufgefangen und durch einige Tropfen einer giftgrünen Flüssigkeit ersetzt, die er in den Tagen zuvor aus diversen giftigen Kräutern gebraut hatte. Nicht zu viel, damit weder Geruch noch Geschmack Aufschluss auf das Gift geben konnte. Dann wurden die Flaschen säuberlich neu verkorkt und in einer Holzkiste deponiert. Nun musste er lediglich abwarten, bis es Nacht wurde und es in der Mine ruhig wurde und die Kiste am Eingang deponieren. Den Rest würde hoffentlich die Gier der Ettins für ihn erledigen. Wenn die Menge des Giftes auch nicht tödlich für die Plünderer sein sollte, so würde es ihnen doch merklich zu schaffen machen, sollten sie sich am ganzen Wein vergreifen. Und genau dann wäre der Zeitpunkt gekommen, an dem ein Angriff auf die plündernde Horde von Erfolg gekrönt sein könnte. Vorsichtig schlich er zurück in sein Haus, versperrte die Tür von innen und widmete sich zunächst der Schale mit dem aufgefangenen Wein, ehe er sich später zur Ruhe legte. Der nächste Tag würde hoffentlich zeigen, ob sein Plan aufginge. Beiträge in diesem Thread
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