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Randbemerkung des Bürgermeisters zu einem unerfreulichen Bericht

Als Kunrad den Bericht auf seinem Tisch las, soll er erst leise durch die Nase geschnaubt und dann den Kopf geschüttelt haben.

„Bei allen Steinen Minocs… Ein ausgesetztes Ettinkind, ein gebissener Wachmann und nun redet der Kerl womöglich mit zwei Stimmen? Ich habe mit meinem Bruder Filligo schon genug damit zu tun, dass in der Familie stets einer mehr zu sagen hat, als gut wäre. Einen zweiten zweiköpfigen Roswylde brauche ich in dieser Stadt gewiss nicht.“

Nach diesem wenig würdevollen, aber ehrlichen Kommentar wurde der Bericht beiseite gelegt und eine knappe Anweisung an die Stadtwache verfasst:

„Der gebissene Mann ist unverzüglich ausfindig zu machen und einem kundigen Heiler vorzuführen. Die Bisswunden sind gründlich zu untersuchen, ebenso sein Fieber, sein Zustand im Geiste und ob an dem Gerede über die zwei Stimmen mehr dran ist als Tavernennebel.

Ferner sind alle Zeugen des Vorfalls zu befragen – insbesondere die Bergleute, die beim Fund des Ettinkindes zugegen waren. Das Gelände nahe der Mine ist nach weiteren Spuren abzusuchen: Fußabdrücke, Schleifspuren, Blut, Unrat oder Hinweise darauf, dass noch weitere dieser Kreaturen in der Nähe sind.

Sollte der Wachmann sich auffällig verhalten, ist er bis auf Weiteres vom Dienst zu entbinden und unter Beobachtung zu stellen. Ich dulde in Minoc vieles, aber keine Wache, die sich unterwegs mit sich selbst streitet und am Ende beide Seiten verliert.“

Unter den Befehl setzte Kunrad einen kurzen Nachtrag:

„Und sollte irgendjemand auf den Gedanken kommen, künftig Ettinkinder mit Säcken einzufangen, so möge er vorher wenigstens einen zweiten Mann und dickere Handschuhe mitnehmen.“

Kunrad Roswylde
Bürgermeister von Minoc,
Ratsherr des Bundes

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