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Ein Lichtschein in Elashinn

Zwei Schleicher mit Auftrag

Heimlich schlichen die beiden Gestalten durch die verwinkelten Gänge von Elashinn, der verborgenen Unterweltstadt tief unter den Bergen. Der größere der zwei, ein breitschultriger Kerl mit vernarbtem Gesicht, trug einen gewaltigen, schweren Sack auf dem Rücken. Darin ruhte sie: eine atemberaubende Statue aus feinstem, schimmerndem grünem Maly'tir – jenem seltenen, magisch durchzogenen Granit, der im Fackellicht wie lebendiges Laub leuchtete.
Die Figur stellte eine üppige, vollbusige Waldelfenfrau dar, die Hüften sinnlich geschwungen, das Gesicht von wilder, spöttischer Schönheit. Lange, rankenartige Haare umspielten ihre Schultern, und in den Händen hielt sie zarte Spinnennetze, als wären sie Blütenranken. Ein Meisterwerk der Provokation.
Ungesehen von den schlaftrunkenen Wachen der Dunkel-Elfen – jenen arroganten Patrouillen in ihren adamantschwarzen Rüstungen – huschten die beiden durch Schatten und Abwasserkanäle, bis sie den verborgenen Marktplatz der Unterwelt erreichten. Nur wenige Schritte vom Podest des Reisemagiers entfernt, wo normalerweise Händler ihre Waren feilboten, stellten sie die Statue ab. Schnell, präzise, lautlos.
Ein leises, unterdrücktes Gekicher hallte durch die Dunkelheit.
„Eine Statue von Lloth aufstellen, in Minnersbach? Ne ne ne, das können wir besser. Sprach die größere der beiden Personen.
Hier, mitten im Herzen der Drow-Handelsstadt?“, flüsterte die Kleinere, ein schmächtiges Wesen mit funkelnden Augen unter der Kapuze. „Genau unser Humor. Die Spinnenkönigin als pralle Waldelfe aus grünem Maly'tir… die werden ausrasten, wenn sie das morgen früh entdecken.“
Der Grosse grinste breit, seine gelben Zähne blitzten. „Stell dir ihre Gesichter vor. Die Illharess wird Schaum vor dem Mund haben. Und wir? Wir sind schon längst über alle Berge.“
Nachdem die Statue perfekt platziert war – stolz aufgerichtet, als würde sie die ganze Unterwelt herausfordern –, verschwanden die beiden verhüllten Gestalten ebenso schnell und spurlos, wie sie gekommen waren. Nur das leise Echo ihres unterdrückten Lachens blieb zurück, vermischt mit dem fernen Tropfen von Wasser in den Gängen.
Am nächsten Morgen würde Elashinn erwachen… und die Hölle würde losbrechen.

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