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Re: Ein Lichtschein in Elashinn

Lyr'sa Ky'Alur

Lyr’sa saß auf der kleinen steinernen Stufe vor ihrem Haus, die Schultern leicht nach vorne gezogen, während sie mit zwei Fingern versuchte, einen hartnäckigen Kiesel aus ihrem Stiefel zu lösen. Es war einer dieser seltenen Momente, in denen sie sich erlaubte, einfach kurz nichts zu tun – kein Hämmern, kein Schmelzen, kein Befehl. Nur ein kurzer Atemzug - Ruhe.

Die Schriftrollen - die Sie fertigte -lagen neben ihr, sorgfältig gebunden. Sie hatte den Auftrag erhalten, sie zu übergeben. Einfach. Schnell. Ohne Fehler.
Sie zog den Stein endlich aus dem Stiefel und wollte ihn gerade achtlos wegwerfen, als ein Schatten auf sie fiel.
Zu spät.
Sorn Ky’Alur.

Lyr’sa erstarrte. Ihr Atem stockte, als hätte jemand ihr die Luft aus der Brust gepresst.

„Blickt auf Lyr’sa, dann zur Tür und ab gehenden Wache, zurück zu Lyr’sa“

Seine Stimme war ruhig. Viel zu ruhig.

„Vendui“

Lyr’sa schluckte schwer. Ihre Finger krallten sich unbewusst in das Leder ihres Stiefels.

„V… Ve…", sie schluckt schwer und nahm allen Mut zusammen „Vendui“

Sie zwang sich, nicht wegzusehen. Nicht sofort zu fliehen. Noch nicht.

„Hier sind die Schriftrollen“

Sie schob das Bündel vorsichtig mit dem Fuß über den Boden in seine Richtung, ohne ihm zu nahe zu kommen.

„Vendui Vendui. Sehr schön“

Seine Worte klangen beinahe freundlich. Beinahe.
Genau das machte es schlimmer. Lyr’sa wagte es nicht, sich zu bewegen. Jeder Muskel in ihrem Körper schrie danach zu fliehen, doch sie blieb sitzen, wie festgenagelt.

Dann kam seine Stimme wieder, diesmal schärfer, prüfender.

„Aber du solltest weniger in gedanke VOR der Tür sitzen. Die Stadt ist … gefährlich habe ich gehört. Überall Spione und Attentäter.“

Lyr’sa nickte hastig, viel zu hastig.

„Ich… äh habe auf dich gewartet“

Die Lüge kam wie automatisch. Und sie glaubte sie selbst nicht mehr nachdem sie sie sausgesprochen hatte. Sorn machte ein leises Geräusch – irgendwo zwischen Belustigung und etwas wesentlich Dunklerem. Die Besorgnis in seiner Stimme troff vor ehrlichem Humor

Lyr’sa spürte, wie ihr Magen sich zusammenzog.

„Aber Sorn... meist bin ich doch beschäftigt und in der Mine oder meiner Werkstatt!“

Ihre Worte stolperten übereinander. Sie wollte einfach nur, dass es vorbei war. Dann hielt sie es nicht mehr aus.
Sie sprang eilig auf und flüchtet ins Innere ihres Hauses. Sie riss die Tür auf, stolperte hinein und schlug sie hinter sich zu. Sie schob schnell den Eisenriegel ins Schloss und drückte die Sperrbolzen oben und unten in die dafür vorgesehenen Aussparungen, so dass die Tür verriegelt war.
Einer. Zwei. Drei.
Draußen blieb Sorn noch einen Moment stehen.

„Ah, was. Bastionen. unkorumpierbar“

Seine Stimme drang gedämpft durch das Holz.

„Niemand würde dort je hin kommen, oder es schaffen sie zu überwinden.

Lyr’sa lehnte sich mit dem Rücken gegen die Tür, presste die Augen zusammen und hielt den Atem an.
Sie hörte aus dem inneren seine Schritte. Wie er sich langsam entfernte und dabei pfiff.

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