Lyr'sa hatte genug. Endgültig genug. Seit Stunden schon war sie auf der Suche nach neuen Erzadern in den Schächten einer nahen Mine unterwegs gewesen. Sie kroch durch feuchte, klamme Tunnel, hatte eine Auseinandersetzung mit einer besonders bissigen Art von Maulwurf, dem sie ihre Kriegsaxt über den Kopf schmetterte und ihn so zerteilte, und hatte sich überdies noch ein Loch in den Schuh gerissen. Jeder Schritt war von einem saftigen Schmatzen begleitet, und das ging ihr langsam richtig auf die Nerven. Aber als wäre das nicht genug, hatte sie jetzt auch noch mit einem Rivvil zu tun. Dieser war irgendwie an den Patrouillen der Oberfläche vorbeigeschlichen und hatte seinen Weg in das Tal gefunden, in dem einige Ettins ihr Lager aufgeschlagen hatten. Lyr'sa hatte zuvor selbst mit diesen Kreaturen zu tun gehabt. Sie waren grob und ungelenk und daher selbst für eine ungeübte Kämpferin wie sie relativ einfach zu besiegen. Ihre Kriegsaxt hatte ihr dabei mehr als einmal gute Dienste erwiesen. Ein Mensch - ein Rivvil - stand dort und streckte gerade seinen eigenen Ettin nieder. Lyr'sa erstarrte einen Herzschlag lang, die Axt noch halb erhoben. Ein Rivvil. Hier... allein? „Oh nau…“ Ihr Blick zuckte zu der Armbrust an ihrer Seite, dann zu der Bola, die achtlos an ihrem Gürtel hing. Ein Plam formte sich hastig in ihrem Kopf. „Bleib einfach stehen…“, murmelte sie, mehr zu sich selbst als zu ihm. Der Rivvil wandte sich gerade um. Sie schoss. Lyr'sa zögerte keine Sekunde mehr. Sie warf sich nach vorn, rutschte im feuchten Schlamm fast aus und landete unsauber auf ihm, die Knie hart auf seinen Armen. Die Axt kam hoch, stoppte einen Fingerbreit vor seinem Gesicht. „Nicht bewegen!“, fauchte sie, die Stimme höher als beabsichtigt. „Ich… ich schlag dich sonst entzwei!“ Der Rivvil zerrte an den Schnüren, fluchte, trat – aber die ungleichmäßige Wicklung der Bola machte es nur schlimmer. Je mehr er sich wehrte, desto mehr zog sie sich fest. Lyr'sa schluckte, griff hastig nach weiteren Lederriemen und begann, ihn zusätzlich zu fesseln – zu fest, zu hastig, viel zu chaotisch. „Oh nau…“, murmelte sie wieder, diesmal leiser. „Warum tust du das… hör einfach auf…“ Am Ende kniete sie keuchend über ihm, dreckverschmiert, die Hände zitternd – und ein gefesselter Rivvil unter ihr, der sie mit blankem Hass anstarrte.
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