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Re: Re: Ein verhängnisvoller Fehler...

Lyr'sa Ky'Alur

Der Weg zurück nach Elashinn war kein Triumphzug. Eher ein zäher, schmutziger Marsch. Lyr'sa hatte den Rivvil nicht getragen – sie hatte ihn geschleift, gestoßen, gezerrt, immer darauf bedacht, dass er vor ihr blieb, dass er fiel, wenn er zu langsam wurde, und wieder aufstand, wenn sie ihn mit der stumpfen Seite ihrer Axt dazu zwang. Mehr als einmal hatte sie befürchtet, er würde sich losreißen. Mehr als einmal hatte sie selbst beinahe den Halt verloren, als ihre Stiefel im feuchten Untergrund nachgaben. Doch die Knoten hielten. Schlecht gemacht, hastig, ungleichmäßig – und gerade deshalb tückisch fest. Als die ersten vertrauten Tunnel Elashinns sie schließlich verschluckten, war sie erschöpft bis in die Knochen, die Hände wund, die Kleidung von Schlamm und Blut durchzogen. Aber sie hatte ihn. Einen lebenden Rivvil.

Die Wachen hatten sie zuerst nur angestarrt. Dann den Gefangenen. Dann wieder sie. Lyr'sa hatte nichts gesagt, nur stumm weitergeschoben, den Blick gesenkt und doch voller trotzigem Stolz. Erst als sie den Tempel erreichte und vor Neisha stand, löste sich die Anspannung ein wenig. Die Zith'yath musterte den Rivvil mit einem kühlen, prüfenden Blick, dann Lyr'sa – länger, als ihr lieb war. Weder Lob nochKein Tadel. Lediglich ein knappes Nicken, ein leises Wort an die Wächter, die den Gefangenen übernahmen. Für einen Moment hatte Lyr'sa das Gefühl, als würde ihr etwas entgleiten, kaum dass sie es erreicht hatte. Doch dann richtete sie sich ein wenig auf. Sie hatte geliefert. Das zählte.

Der Weg in den Thronsaal fühlte sich länger an als jeder Tunnel zuvor. Als sie schließlich vor Jhea'kryna Ky'Alur trat, zwang sie sich, ruhig zu stehen, auch wenn ihre Hände noch leicht zitterten. Schlamm trocknete an ihren Stiefeln, Blut klebte an der Schneide ihrer Axt. Sie wagte es nicht, den Blick zu heben, bis sie angesprochen wurde. Die Ilharess ließ sich Zeit. Ein prüfender Blick, kühl, durchdringend.

Als die Worte schließlich kamen, waren sie kurz und überaus knapp. Kaum mehr als ein Hauch von Anerkennung – ein Hinweis darauf, dass der Fang von Wert sei, dass Initiative gesehen werde, dass ein Werkzeug, das nützlich ist, seinen Platz hat. Für jeden anderen wäre es wenig gewesen. Für Lyr'sa war es alles.

Sie neigte den Kopf tiefer, als es nötig gewesen wäre, rang die aufsteigende Wärme in ihrer Brust nieder und presste nur ein leises: „Ja, malla Ilharess.“ hervor. Als sie sich zurückzog, war ihr Schritt noch immer schwer von Erschöpfung...

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