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Re: Ein verhängnisvoller Fehler...

Nytharion Ky'Alur

Dumpf. Schwer. Jeder Herzschlag ein Hammerschlag gegen seine Schläfen.
Als er die Augen öffnete, war da… nichts. Nur Dunkelheit. Kein Himmel, kein Wald, kein offenes Schlachtfeld – nur stickige, erdrückende Finsternis und der Geruch von feuchter Erde, Leder und… Blut.
Sein eigenes, ziemlich sicher sogar. Denn er spürte wie es seine Haare bereits verklebt hatte.
Er stöhnte leise und versuchte, sich aufzurichten – ein Fehler. Die Fesseln schnitten sofort in seine Handgelenke, raues Leder, viel zu festgezogen. Seine Beine waren ebenfalls gebunden, ungleichmäßig, aber effektiv. Jeder Versuch, sich zu bewegen, zog die Knoten nur enger.
„Verdammt…“

Die Erinnerung kam bruchstückhaft zurück.
Der Ettin. Das Geschoss.
Dann – Der Schlag
Und… sie.

„Diese Verrückte…“, murmelte er heiser mit aufeinandergebissenen Zähnen.
Ein leises Geräusch ließ ihn innehalten.

Schritte.

Nicht viele. Nicht schwer genug für einen Ettin. Leichter. Zögernd. Und begleitet von einem leisen, nervösen Klimpern – Metall auf Metall.
Ein schwaches Licht flackerte auf.
Eine Fackel.
Und dahinter – sie.

Diese kleine verdammte Dunkelelfe trat in den schmalen Gang, die Schultern leicht angespannt, die Kriegsaxt locker in der Hand, als würde sie jeden Moment damit zuschlagen… oder sie fallen lassen. Man konnte sich nicht ganz sicher sein.

Sie blieb ein paar Schritte entfernt stehen.
Ihre Augen musterten ihn – wach, vorsichtig… und etwas anderes. Unsicherheit.
„Du bist wach“, stellte sie fest. Keine Drohung. Eher… Erleichterung?

Byronar verzog das Gesicht zu einem schiefen Grinsen, trotz der Situation.
„Sieht so aus.“

Er zog leicht an den Fesseln. Ein demonstrativer Versuch.
„Ist das eure Art, euch zu bedanken? Ich töte einen Ettin und bekomme… das hier?“

Die Dunkelelfe zuckte sichtbar zusammen, fing sich aber schnell wieder.
„Du bist ein Rivvil.“

Die Antwort kam sofort. Zu schnell.

Byronar hob eine Augenbraue.
„Und du bist… schlecht im Zielen.“

Ein kurzer, gefährlicher Moment entstand.
Ihre Finger spannten sich fester um den Griff der Axt.

Dann – zu seiner Überraschung – schnaubte sie leise.
„War improvisiert“, murmelte sie. „Hat funktioniert.“

Sie trat näher. Nicht nah genug, um ihn zu berühren. Aber nah genug, dass das Fackellicht ihr Gesicht vollständig erhellte: Dreckverschmiert, erschöpft… und immer noch angespannt wie ein zu straff gespannter Bogen.

Dieser Moment als die Blicke sich trafen hielt für einen Moment die Zeit an. Was wollte diese kleine Dunkelelfe von ihm? Für Hass war sie zu unsicher, Liebe … eine seltsame Art wäre es zumindest. Bloßes Vergnügen?

Zu mehr Optionen die Byronar sich ausdachte kam er nicht mehr.

Weitere Schritte dieses mal schwer und entschlossen näherten sich rasch. Auch Heller wurde es.

Die kleine Dunkelelfe trat zur Seite und im nächsten Moment blickte Byronar auf einen der ihren. Einen ungewöhnlich großen Dunkelelf in voller Rüstung. Der Umhang den er rücklings trug, ließ ihn noch breiter wirken als er vermutlich war. Oder war er es?

Wie dem auch sei… seine Entschlossenheit und seine so garnicht gutmütigen Augen ließen Byronar nichts gutes ahnen.
In der rechten Hand hielt er ebenfalls eine Fackel mit der Linken deutete er wortlos auf Byronar und hinter ihm erschienen zwei weitere Dunkelelfen.

Unsanft packten sie Byronar und zerrten ihn den Gang hinter dem großen und schwer gerüsteten Denkelelfen her.
Die kleine Dunkelelfe war aus seinem Sichtfeld verschwunden.

Byronar wusste es nicht sicher, doch er würde sie vermutlich nie wieder sehen.

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