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Re: Ein verhängnisvoller Fehler...

Tath'raen

Tath’raen bewegte sich durch die Gänge des Kerkers, das dumpfe Echo seiner Schritte hallte schwer von den feuchten Steinwänden wider. Die Luft war dick, durchzogen vom Geruch nach Moder, altem Leder und frischem Blut. Es war ein vertrauter und ehrlicher Geruch. Der Gedanke an die Statue lag noch immer klar in seinem Geist. Eine Reinigung verlangte Opfer und Blut war der erste Schritt. Als er die Zelle erreichte, sah er zunächst Lyr'sa dort stehen, dann den Rivvil. Sein Blick war trüb, aber nicht gebrochen. Tath’raen blieb einen Moment stehen und musterte ihn schweigend. Der Mensch roch nach Schmerz und Trotz, eine Mischung, die ihm nicht fremd war. Lyr’sa Haltung war angespannt, ihre Augen aufmerksam. Für einen flüchtigen Augenblick ruhte sein Blick auf ihr und eine spur Stolz kam in ihm auf. Sie hat geliefert, stellte er fest. Das brachte ihr in seinen Augen Achtung ein - eine Sache, die bisher niemanden interessierte, außer Lyr'sa vielleicht selbst. Darüber hinaus sah sie attraktiv aus, wie sie in dem schwummerigen Licht des Kerkers stand und ihn ansah. Kurz schloss er die Augen; jetzt musste er seine Aufmerksamkeit auf etwas anderes richten.

Der Rivvil sprach, aber Tath’raen reagierte nicht darauf. Langsam trat er näher, das Licht der Fackel fiel auf sein Gesicht, auf die kalten Linien seiner Züge, auf die Augen, die den Gefangenen musterten. Er versteht es noch nicht , dachte er ruhig. Das wird sich ändern. Er hob die Hand und deutete wortlos auf den Gefangenen. Zwei weitere Drow traten aus den Schatten hervor und packten den Rivvil ohne Zögern. Der Mensch wehrte sich schwach, mehr aus Instinkt als aus Hoffnung. Es änderte nichts; es änderte nie etwas. Tath’raen drehte sich bereits um, noch bevor sie ihn vollständig aufgerichtet hatten. Hinter ihm hörte er das Schleifen von Füßen über Stein, das angestrengte Atmen des Gefangenen, das leise Knarren der Fesseln. Lyr’sa blieb zurück, auch wenn er sie gerade gerne bei sich gehabt hätte.

Während sie den Gang entlanggingen, formte sich der nächste Schritt seines Plans klarer. Das Blut dieses Rivvil würde fließen, doch nicht hier. Nicht durch seine Hand. Rituale für Lloth gehörten nicht ihm, nicht jetzt, nicht auf diese Weise. Ich bin kein Narr , dachte er kühl Kein Sakrileg wird meinen Weg beflecken. Selbst etwas so Einfaches wie das Entnehmen von Blut war Teil eines größeren Gefüges, ein Faden im Netz, der nur von jenen geführt werden durfte, die dazu bestimmt waren: Priesterinnen - die Malla Ilharess wird entscheiden. Der Rivvil stolperte hinter ihm, wurde grob weitergezerrt, seine Schritte unkoordiniert, sein Atem schwer.

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