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[Dokumentation: Klassenaufstieg] D'nilok del Lloth - Liebe

Tath'raen

Der Platz von Elashinn lag in gedämpftem Licht, durchzogen von flackernden Schatten, die sich an den schwarzen Stein schmiegten wie lebendige Dinge. Tath’raen stand am Rand des offenen Bereichs, die Hände ruhig hinter dem Rücken verschränkt, während sein Blick über die wenigen Anwesenden glitt. Es war kein Ort der Ruhe. Schritte näherten sich, leicht, bedacht. Er erkannte sie, noch bevor er den Kopf wandte. Zynrae trat aus den Schatten, ihre Haltung aufrecht, ihr Blick wachsam wie immer. Sie blieb einige Schritte entfernt stehen, als gäbe es eine unsichtbare Grenze, die weder überschritten noch benannt werden musste. Für einen Moment sagte keiner von ihnen etwas. Dann neigte Tath’raen den Kopf leicht. „Zynrae.“ Seine Stimme war ruhig, ohne Wärme, doch nicht abweisend. Sie erwiderte die Geste kaum sichtbar. „Tath’raen.“ Ihr Blick ruhte kurz auf ihm, prüfend. Dann, fast beiläufig: „Man spricht in letzter Zeit von seltsamen Dingen.“ Er zog eine Augenbraue kaum merklich hoch. „In Elashinn ist alles seltsam.“ Ein Hauch von etwas — vielleicht Belustigung — huschte über ihr Gesicht. „Nicht diese Art.“ Sie machte eine kurze Pause, als würde sie die Worte abwägen. „Liebe.“

Das Wort hing einen Moment zwischen ihnen, fremd, fehl am Platz, wie ein Gegenstand aus einer anderen Welt. Tath’raens Blick wurde schmaler. Liebe , wiederholte er in Gedanken, als würde er ein unbekanntes Werkzeug betrachten. „Ein Begriff der Oberflächenwelt“, sagte er schließlich ruhig. „Schwach. Unpräzise.“ Zynrae verschränkte leicht die Arme. „Und doch wird er benutzt.“ „Dann falsch“, erwiderte er ohne Zögern. „Was sie meinen, ist Bindung. Nutzen. Besitz.“ Sein Blick glitt kurz über den Platz, dann zurück zu ihr. „Ein Drow schützt, was ihm gehört. Er investiert in das, was ihm dient. Alles andere… ist Illusion.“ Zynrae neigte den Kopf leicht. „Und Loyalität?“ „Ein Tausch“, sagte er ruhig. „Gegeben gegen Nutzen. Erhalten durch Stärke.“ Ein kurzer Moment verging, dann fügte er hinzu: „Alles andere ist gefährlich.“ Sie schwieg einen Augenblick, musterte ihn erneut. „Und wenn jemand mehr empfindet?“ Tath’raen hielt ihrem Blick stand, reglos. Mehr ist Schwäche, dachte er, ließ jedoch einen Atemzug verstreichen, bevor er antwortete. „Dann stirbt er daran“, sagte er schließlich leise. „Oder er lernt, es zu kontrollieren.“

Ein leises Geräusch unterbrach die Stille — Schritte, diesmal vertraut, sicher. Berg’inyon trat auf den Platz, ihre Präsenz ruhig und doch durchdringend. Ihr Blick glitt zwischen ihnen hin und her, als hätte sie bereits genug gehört, um den Rest zu verstehen. „Ein interessantes Thema“, sagte sie, während sie näher kam. Tath’raen wandte sich leicht zu ihr, neigte respektvoll den Kopf. „Berg’inyon.“ Zynrae tat es ihm gleich, wenn auch knapper. Berg’inyon blieb zwischen ihnen stehen, ihre Haltung entspannt, doch ihre Augen wachsam. „Liebe“, wiederholte sie, als würde sie das Wort kosten. „Ein gefährlicher Gedanke in unserer Stadt.“ „Ein unnötiger“, sagte Tath’raen ruhig. Sie musterte ihn einen Moment länger, als nötig gewesen wäre. „Ist er das?“ Ihre Stimme war weich, doch darunter lag etwas Schärferes. „Oder ist er nur… unkontrolliert?“ Tath’raens Blick verhärtete sich kaum merklich. Kontrolle ist alles. „Alles Unkontrollierte ist wertlos“, antwortete er. Berg’inyon lächelte schwach. „Und doch entstehen die interessantesten Dinge oft genau dort.“ Ihr Blick wanderte kurz zu Zynrae, dann zurück zu ihm. „Bindungen. Loyalität. Vielleicht sogar… etwas, das ihr beide nicht benennen wollt.“ Zynrae schwieg, doch ihre Haltung verriet Aufmerksamkeit. Tath’raen hingegen blieb unbewegt. „Wenn es keinen Zweck erfüllt, wird es entfernt“, sagte er kühl. „So war es immer.“ Ein kurzer Moment der Stille folgte. Dann nickte Berg’inyon langsam, als hätte sie genau diese Antwort erwartet. „Vielleicht“, sagte sie leise. „Oder es wird genutzt.“ Tath’raens Blick traf ihren, fest, unbeirrbar. Alles wird genutzt. Alles muss einen Platz im Netz haben. Der Platz um sie herum blieb ruhig, doch das Gespräch hatte etwas hinterlassen — keinen Konsens, keine Einigkeit, sondern etwas Feineres, einen Gedanken, einen möglichen Riss, und während Tath’raen wieder in die Schatten blickte, blieb ein letzter Gedanke zurück, leise, kaum greifbar. Wenn es existiert… dann muss es einen Zweck haben.

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