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Worte in der Stille

Yllaria

Nach dem aufwühlenden Tag hatte die Waldelfe endlich Ruhe gefunden, und ihr Geist hatte sich zögernd dieser Stille geöffnet. Ein Gedanke nach dem anderen löste sich.

Doch diese Stille war nicht leer.

Zwei Personen beugten sich über sie. Sie konnte sie nicht sehen, spürte aber ihre Anwesenheit. Sie versuchte, die Augen zu öffnen, doch ihre Lider und ihr Körper waren so schwer, dass sie sich nicht bewegen konnte. Etwas Warmes lag auf ihrem Oberkörper, ein kleiner, atmender Körper. Ein Rhythmus, der sich selbstverständlich an ihren angepasst hatte. Sie kannte dieses Gefühl, konnte es in diesem Moment jedoch nicht greifen.

„Ich habe gehört, dass er sie begleiten wird. Das wird dich sicher beruhigen.“ Seine Stimme klang glatt und makellos, und jedes Wort brachte einen Hauch von Kälte mit.

„Das tut es wahrlich.“ Die Worte klangen warm und tief, getragen von einer melodischen Ruhe. Ein leichter Duft nach frischem Laub streifte ihre Sinne, als sie das Rascheln von Stoff vernahm.

„Unser Tribut wiegt an manchen Tagen schwerer als an anderen, nicht wahr? Und dennoch tragen wir ihn.“

„Und ich danke dir, dass du ihn mit uns trägst.“ Eine warme Hand strich beruhigend über ihren Arm.

„So wie es schon immer war, auch wenn diese Tage besonders schwer wiegen.“ Eine zweite Hand schloss sich um ihre. Kühle Finger strichen sanft über ihren Handrücken. Eine leise Melodie erfüllte ihren Geist, als wäre sie ein Echo dieser Berührung. Sie verspürte ein leichtes Ziehen in ihrem Inneren, als würde es sich nach der Hand ausstrecken.

„Wird es stark genug sein?“

„Ja, die Verbindung ist stark“, versicherte die andere Stimme ruhig.

„Wird es sie auf die andere Seite ziehen?”

Ein Moment verging. Die Stille breitete sich wieder aus.

Dann, klar und unerschütterlich: „Nein, das kann es nicht. Ein leises Flüstern mag einen Baum mit tiefen Wurzeln nicht beugen.“

Ein leises, trauriges Lachen erklang. „Wie sehr du dich doch verändert hast in all der Zeit.“

Ein amüsiertes Schnauben war die Antwort, aber nicht ohne Wärme.

„Wird sie es umkehren können?“ Jedes Wort war ein kleines Lied voller unausgesprochener Bedeutung.

Die Pause, die folgte, war länger.

Die kühlen Finger lösten sich von ihrer Hand. Ein lautes Schnurren folgte, das ihren Oberkörper vibrieren ließ. Weiches Fell glitt über ihre Haut.

„In die Welt, in die sie geht? Eher unwahrscheinlich“, kam es schließlich als Antwort. „Auf etwas, das sich ihrer Wirklichkeit entzieht, wird sie keinen Einfluss nehmen können. Es braucht mehr als den Willen, damit der Weg überhaupt sichtbar wird.“

„Umso dankbarer bin ich für deine Hilfe.“

Wieder war ein kleines zufriedenes Schnurren zu hören.

„Ich bedauere, dass ich nicht mehr tun kann“, fuhr die Stimme mit einem merklichen Anflug von Reue fort. „Obwohl mir wahrlich genügend Zeit geblieben wäre, meine Fähigkeiten zu vervollkommnen.“

„Zeit“, ein warmer Atem strich über ihre Haut. „Ein merkwürdiges Konzept, nicht wahr?“

Eine warme Ruhe breitete sich in ihr aus, floss durch sie hindurch und nahm ihren Geist sanft mit fort.

Yllaria öffnete ruckartig die Augen und die Welt um sie herum kehrte schlagartig zurück. Was für ein merkwürdiger Traum! Sie setzte sich auf. Irgendetwas hatte sie aus ihrer Meditation gerissen. Aufmerksam lauschte sie in die Dunkelheit hinein.

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