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Viele Sommer ist es her, dass er das Zählen einstellte. Waren es 15 oder gar 20 Jahre, seitdem er das letzte Mal einen Fuß in dieses Reich setzte? Er schaute auf sich herab, in Erinnerung schwelgend an sein jüngeres Ich, ehe er sich mit gesichtsverzerrtem Ausdruck zu schütteln begann.

„Nicht die Vergangenheit ist mein Leben, sondern das, was ich jetzt daraus mache“, sprach er selbstbewusst zu sich, den Satz mehrmals in seinem Kopf wiederholend. Ob er der Floskel selbst Glauben schenken mochte, darüber wollte er sich keine Gedanken machen. Aber er wusste, dass sie ihm Mut spendete, so lange er sie nur oft genug zu wiederholen begann. Und der Mut war es doch, der schließlich seinen Werdegang bestimmen sollte.

Der Plan war relativ einfach. Eine Familie hatte er nicht. Freundschaften waren ihm fremd. Bei seinem alten Anwesen machte er sich erst gar keine Hoffnungen, dass die Stadt Britain es unversehrt zurückgelassen hätte.

Was er jedoch besaß, war ein alter Schlüsselbund. Er ging die Reihenfolge nochmals in seinem Kopf durch: „Hauptquartier, Treffpunkt, Silbertruhe, Bankschließfach…“ Bei der Überprüfung der letzten Schlüssel sank bereits seine Konzentration und sein Nachdenken verwandelte sich in ein zustimmendes Nicken.

Die Reise zum Hauptquartier gestaltete sich als Kinderspiel. Zunächst schien der Plan Risse zu bekommen, als er feststellen musste, dass der alte Geheimpfad nicht mehr existierte. Er war sich unsicher, ob er problemlos durch die Stadttore spazieren könnte oder ob die Suche nach ihm nicht doch noch anhielt und er nach all den Jahren letztlich geschnappt und gefangen genommen würde. Dieses Risiko schien ihm in seinen Gedanken zu groß, als dass er schlussendlich ein solches Schicksal erleiden wollte. „Erst beobachten, dann zuschlagen“, dachte er sich.

„Die Moral in dieser Stadt ist total … am Boden. Keiner rührt sich. Es ist fast wie auf einem Gemälde“, entglitt es stockstarrend seinen Lippen, nachdem er seine ersten Beobachtungen Revue passieren ließ.

Und so galt es nur, einen Weg abseits der Hauptpfade zu nehmen, um relativ unbemerkt die Pforten seiner alten Gemeinschaft zu erreichen. Seiner Gemeinschaft, die er einst gegründet und geleitet hatte, deretwegen er diese Lande verlassen musste. Die Gemeinschaft, für die er sein halbes Leben in fernen Reichen auf Mission war.

Und hier war er nun, bereit, seinen Eid zu erfüllen und das Versprechen einzulösen.

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