in der glorreichsten Hafenstadt des Landes, genau als die Sonne sich bereits über die vielen Strohdächer von Cove geschoben hatte und der Hafen in vollem Betrieb war,
staute sich vor den zahlreichen belegten und begehrten Anlegestellen direkt vor dem Kontor einmal mehr das übliche Chaos. Händler schrien sich quer über das Dock hinweg an,
ein paar dort stationierte Gardisten Namoths und Dockarbeiter versuchten halbherzig Ordnung in die Reihen der Schiffe zu bringen.
Mittendrin standen zwei Männer, der eine ein Hüne eines Mannes, der andere, ein Zwerg, doch schallte seine hohe genervte Stimme über den gesamte Hafenbereich.
Die beiden stritten sich darum, wem der Liege- samt Handelsplazt zustand, der kleine blickte wild mit den Armen fuchtelnd in Richtung des anderen und schrie rum.
„Das ist mein Platz du glatzköpfiger Fleischberg! “, fuhr der Zwerg ihn an und stieß mit dem Fuß gegen eine Holzkiste, als wolle er seine Beleidigung damit unterstreichen.
„Mach dich nicht größer als du bist, halbe Portion, jetzt bin ich hier.“, kam es ebenso gereizt zurück von dem Hünen.
Eine Hand voll Schaulustige hatten sich bereits versammelt, doch wie so oft blieb es nur beim Zuschauen.
In Cove hatte jeder Einwohner und Reisende genug mit seinen eigenen Problemen zu tun, als dass man sich freiwillig in fremde Angelegenheiten einmischte.
Paranax lehnte an der steinernen Brüstung, trank einen Krug Bier und beobachtete das Ganze Geschehen schweigend, war es doch nicht das erste mal.
Er hätte sich früher vermutlich einfach Kopf schüttelnd abgewandt, einen Schluck genommen und die Sache ihren gewohnten Lauf nehmen lassen.
Doch diesmal blieb er stehen, beobachtete die beiden eine Zeit lang und runzelte sichtbar verwirrt die Stirn.
Mit ruhigem Schritt trat er zwischen die beiden, gerade als die Stimmen der beiden lauter wurden und sich die Hände des Zwerges schon zu Fäusten ballten.
„Es ist dann genug.“, sagte er knapp und strahlte dabei eine Selbstverständlichkeit aus, die beide Streithähne einen Augenblick lang innehalten ließ.
Beide Handflächen geöffnet und in der Brusthöhe, beziehungsweise Gesichtshöhe, beider Kontrahenten, wanderte sein Blick von einem zum anderen.
„Ihr schreit euch hier gegenseitig die Kehlen wund, aber keiner von euch scheint ein Interesse daran zu haben, dieses Problem zu lösen.“
entgegnete er mit einem ruhigen, fragenden Blick den beiden. Ein genervtes Schnauben war die Antwort, doch keiner widersprach.
„Du!“, er deutete auf den Zwerg, „Seit wann legst du hier an?“
„Seit über vier Tagen!“, kam es sofort zurück.
Paranax nickte knapp und wandte sich dem Hünen zu. „Und du?“
„Seit gestern früh, aber…“
„Alles Gut.“, unterbrach er ihn.
Paranax machte etwa einen halben Schritt zur Seite und deutete auf die Reihe der angelegten Schiffe.
„Dann bleibt der Platz ganz einfach bei dem, der ihn bereits länger nutzt. Du suchst dir für heute einen anderen. Sobald er ablegt, übernimmst du seinen.
Ich denke, nach diesem kleinen Schauspiel wird dir den Platz ohnehin niemand mehr streitig machen wollen. Oder aber ihr kommt auf die seltene Glanzleistung,
euch den Handelsplatz hier am Hafen für heute irgendwie zu teilen, sofern der Zwerg sich darauf einlässt. Doch mit dem Geschrei ist nun wirklich Schluss, es sei denn,
du hast ein besonderes Interesse daran, dich mit der hiesigen Wache auseinanderzusetzen. Und die ist bekanntlich weit weniger freundlich.“
Ein kurzer Augenblick der Stille folgte, ehe der Zwerg schließlich zufrieden nickte. Der Hüne hingegen schien noch unschlüssig seiner Reaktion ihm gegenüber,
ob er sich weiter aufspielen oder die Sache auf sich beruhen lassen sollte. Die plötzliche Gegenrede hatte ihn sichtlich überrascht, offenbar hatte er nicht damit gerechnet,
dass ihn hier jemand derart bestimmt zurückpfiff. Am Ende obsiegte wohl seine Einsicht, dass er gekommen war, um in Cove seine Waren zu verkaufen und nicht,
um sich wegen eines Liege- und Handelsplatzes schlussendlich mit der Wache einzulassen. Denn diese wäre wohl die letzte Instanz gewesen, welche eingegriffen hätte,
bei dieser Ansammlung von Menschen, die sämtliche Wege blockierte. Die Intelligenz der beiden war wirklich sehr fragwürdig, man könnte glauben sie waren aus Britain.
Der Zwerg knurrte dennoch leise in die Richtung des großen, der Hüne verzog das Gesicht, doch keiner widersprach ihm.
Nach einem kurzen Moment wich die Spannung aus ihren Schultern, und das Thema verlor plötzlich an der ursprünglichen Schärfe.
„Na also…“, murmelte Paranax und klopfte einmal leicht gegen die Kiste vor ihnen, die zuvor noch getreten worden war. „Geht doch.“
Ohne weiteres Aufsehen wandte er sich ab und setzte seinen Weg fort durch die Stadt.
Hinter ihm löste sich die kleine Ansammlung der Schaulustigen langsam auf, die Stimmen wurden leiser und das geschäftige Treiben des Hafens nahm wieder seinen gewohnten Lauf.
"Das ist doch der was das Haus neben der Bank gekauft hat oder?" flüsterte eine der Frauen.
Einige Blicke folgten ihm dennoch...