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Ein Sklave der Arena Elashinns

Niemand konnte mit Gewissheit sagen, woher Drok ursprünglich stammte, es gab immer viele Vermutungen,
viel Geflüster und noch mehr haltloser Gerüchte, doch die richtige Antwort darauf, naja, die bekam so einfach niemand.
Es gab keine bekannten Eltern, keinen Namen eines Hauses, keine Mutter, die je nach ihm gefragt hatte, und keinen Vater,
der seinen Anspruch erhoben hätte. Manche behaupteten, man habe ihn als Kind in den unteren Gängen Elashinns gefunden,
schlicht zurückgelassen. Andere erzählten, er sei als Beute aus irgendeinem vergessenen Scharmützel zweier alter Häuser in die Stadt gebracht worden.
Wieder andere waren der Meinung, Drok sei in den Zellen unterhalb der Arena geboren worden, zwischen versperrten Eisenstangen, Strohbetten und Blut.

Spielte all das am Ende auch nicht wirklich eine Rolle, denn für den Leiter der Arena war es schlussendlich nicht wichtig, woher einer seiner Sklaven kam,
interessant war lediglich, wie lange dieser standhielt und wie das Publikum auf diesen reagierte.
Drok hielt stand und auch das Publikum, welches ständig begleitet von Gelächter, von oben auf ihn hinabblickte, liebte ihn.

Jahr um Jahr führte man ihn in die Sandgrube, zu Beginn als grobschlächtigen, unbeholfenen Fleischklotz, den man eigentlich nur aus reiner belustigung
in die Arena schickte. Schon sein Auftreten zu Beginn, genügte vielen Dunkelelfen auf den Rängen der Arena, um in Gelächter auszubrechen.
Dieser viel zu große, schwerfällige Dunkelelf mit den breiten Schultern, dem stumpfen Blick und den Ketten an den Handgelenken und Hals,
der oft genug einfach nur dastand, als habe ihm niemand zuvor erklärt, weshalb man ihn überhaupt vor die Menge gezerrt hatte.

Er dachte langsamer als andere, begriff manches erst, wenn es ihm mit der Peitsche, einem Schlag oder gebrüllten Worten eingebläut wurde,
und selbst dann blieb in seinem Gesicht häufig dieser leere, beinahe fragende Ausdruck zurück. Gerade das machte ihn für viele anfangs so unterhaltsam.
Drok war kein fertig geschliffener Kämpfer mit einer edlen Haltung, kein stolzer Sargtlin eines Hauses.
Er war ein Sklave, der ständig finster in die Ränge der Arena blickte. Ein massiger, trainierter Körper und ein schwer atmender Koloss,
der mit zusammengekniffenen Augen in die Gegend starrte und wirkte, als müsse er erst verstehen, ob man ihn wieder zum kämpfen hergebracht hatte

Er sprach selten einen kompletten, intelligent Satz und auch fast nie so, wie alle andere es taten.
„Drok sein starke Krieger“, pflegte er, mit den Fäusten auf seine Brust einschlagend, zu brummen, wenn man ihn fragte, wer er sei.
Für viele der anwesenden Drow war genau das ein Teil der Belustigung, nach der sie suchten. Der stumpfe Riese mit dem langen weißen Irokesen,
den rötlichen Augen und dem Körper eines Zuchtbullen war schon für sich allein ein Schauspiel.
Man lachte über seine Worte, über seine Art sich auszudrücken, über das emotionslose Gesicht und wenn die Peitsche knallte.

Drok verstand zwar nicht vieles, aber sehr wohl begriff er, wenn man ihn direkt verhöhnte. Gerade deshalb gab es außerhalb der Arena nur wenige,
die es wagten, ihn offen zu verspotten oder gar mit dem Finger auf ihn zu zeigen. Er war sehr selten auf den Straßen Elashinns zu sehen,
auch wenn es ihm mit der Zeit gestattet wurde, sich dort zu bewegen. Wenn er jedoch erschien, wichen die meisten Bewohner lieber aus,
senkten den Blick oder taten so, als hätten sie ihn nicht bemerkt. Andere wiederum feierten ihn, näherten sich jedoch nicht.
Denn jeder wusste wer, beziehungsweise was, Drok war.

In der Arena selbst kannte er so gut wie keine Gnade. Außer es wurde im befohlen. Denn Gegner, die fielen, blieben meist nicht lange genug am Leben,
sodass jemand darüber entscheiden konnte. Die Bitten, Schreie und erhobenen Hände bedeuteten ihm recht wenig,
denn Mitleid hatte im blutigen Sand der Grube nie einen Wert besessen. Man hatte ihm nicht beigebracht, zu fragen oder gar zu verschonen.

Er wurde gelehrt zuzuschlagen, wieder aufzustehen und erst aufzuhören, wenn niemand mehr vor ihm stand.
Über die Jahre hinweg veränderte sich das Gelächter auf den Rängen. Es verschwand zwar nicht, doch es bekam einen anderen Klang.
Die Menge wurde lauter, weitaus gieriger und erwartungsvoller. Drok war nicht länger nur der dumme Sklave, den man zum Spott in die Grube trieb.
Er wurde zu einem Namen, den die Menge am Beginn des Abends hören wollte. Sozusagen ein brutaler Liebling der Arena,
ein schwarzhäutiger Koloss in Kettenhose und Sklavenhalsband, dessen bloßer Auftritt genügte, um die Menge auf den Rängen der Arena in Bewegung zu bringen.

Die einen kamen vielleicht, um über ihn zu lachen. Die anderen kamen wiederum, um Blut zu sehen. Und Drok gab ihnen beides.
Er war kein kluger Mann und schon gar kein Redner, geschweige denn ein feiner Vertreter eines Hauses. Er war schlicht weg Drok,
ein offensichtlich beliebter Kämpfer der Arena von Elashinn.

Interessierte sich ein Haus für die Fähigkeiten eines Sklaven aus der Arena?
Die Zeit würde es zeigen, denn in den Straßen und Gassen Elashinns fiel immer öfters der Name...

DROK

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