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Der Preis des Übergangs

Zynrae Ky'Alur

Und Zynrae fiel in die Dunkelheit, die nur hin und wieder von einem trüben Licht durchbrochen wurde. Schwarze Schwaden schossen an ihr vorbei. Instinktiv griff sie nach ihrer Magie. Nichts oder fast nichts. Als hätte man ein loderndes Feuer gelöscht und ihr nur eine einzelne Kerze inmitten der Finsternis zurückgelassen. Verfluchte Scheiße. Wie kann das sein? Wieder griff sie nach den Schatten. Verzweifelt diesmal. Eine Antwort kam, aber sie war träge. Viel zu träge. Damit konnte sie nichts anfangen. Panik erfasste sie. Sie hatte diesem Sturz nichts entgegenzusetzen. Ihr Puls rauschte in ihren Ohren und ihr Körper begann zu zittern. Gleichzeitig wurde ihr klar, dass sie tot sein würde, wenn sie mit dieser Geschwindigkeit irgendwo aufschlug.

War das jetzt alles?

Eine seltsame Ruhe drängte sich in ihren Geist. Sie hatte keinerlei Einfluss auf diese Situation. Egal was sie tat, sie war dem hier vollständig ausgeliefert. Diesem Gedanken gab sie sich hin. Es machte ohnehin keinen Unterschied. Bewusst entspannte sie ihre Muskeln und zwang sich zu langsamen Atemzügen. Ihr Körper beruhigte sich. Als sich auch ihr Geist der Ruhe öffnete, verlangsamte sich ihr Fall. Immer weiter, bis sie schließlich fast auf der Stelle zu schweben schien.

Zynrae wusste nicht, wie lange dieser Zustand anhielt, als sich zwei handflächengroße Schatten aus der Dunkelheit lösten und auf sie zuschwebten. Sie waren deutlich dunkler als die übrigen Schwaden. Vorsichtig griff sie mit ihrem Mana nach ihnen. Wieder kaum eine Reaktion. Die Schatten entzogen sich ihrer Einflussnahme mühelos, als würde sie versuchen, zwei Wassertropfen in einem reißenden Fluss festzuhalten. Sie glitten über ihre Unterarme. Zynrae versuchte sie zu berühren, doch dort war nichts Greifbares, kein Widerstand. Zunächst spürte sie nichts. Dann schoss glühender Schmerz durch ihren Körper. Ein spitzer Schrei entrang sich ihrer Kehle. Einer der Schatten hatte sich in eine dunkle Flamme verwandelt und brannte ihr auf der Größe einer Handfläche die Haut vom Unterarm. Schmerz explodierte in ihrem Körper. Die Flamme fraß sich weiter voran. Zynrae schlug nach ihr, versuchte sie zu ersticken, sie wegzureißen. Doch das hier war nichts Physisches, es folgte keinen Gesetzen, die sie verstand. Als sie die verbrannte Haut sah, stieg Galle in ihrer Kehle auf. Schnell wandte sie den Blick ab. Eine weitere Welle aus Schmerz folgte und verschlang jeden klaren Gedanken. Rot. Ihr Geist bestand nur noch aus Schmerz. Zynrae schrie bei jedem Stück ihrer Haut, das verbrannte.

Dann hörte die Flamme auf. Der zweite Schatten glitt über die Wunde. Kühle breitete sich aus, der Schmerz ebbte ab. Als sie auf ihren Arm blickte, war die Haut darunter vollständig erneuert. Keine Narbe. Keine Spur. Verwirrt fuhr sie mit den Fingern darüber. Warum? Doch bevor sie den Gedanken zu Ende führen konnte, kam der Schmerz zurück. Diesmal an ihrem Rücken.

Anfangs zählte sie noch die Herzschläge zwischen den einzelnen Phasen. Schmerz. Heilung. Schmerz. Heilung. Irgendwann konnte sie nicht mehr schreien. Nur noch leise wimmern. Dann verstand sie. Die Heilung war keine Gnade. Sie war lediglich die Voraussetzung, damit der Schmerz erneut beginnen konnte.

Ihr Geist begann immer häufiger davonzudriften. Vor ihr breitete sich eine Leere aus. Still, dunkel, verheißungsvoll. Dort könnte der Schmerz aufhören. Zynrae blickte ihr entgegen. Abwägend. Dann bewegte sich ihre Hand beinahe von selbst. Sie bohrte den Fingernagel in die dünne Haut zwischen Ringfinger und kleinem Finger. Ein Schluchzen entrang sich ihr. Das Bild erfüllte ihren Geist. Ruhige Atemzüge, Wärme, Stille. Der Anker zog sie zurück. Weg von der Leere. Zurück in ihren schmerzenden Körper.

Immer wieder stand sie an der Schwelle. Immer wieder wandte sie sich davon ab. Zeit verlor jede Bedeutung.

Dann veränderte sich etwas. Etwas zupfte an ihrem Geist. Eine Verbindung streckte sich nach ihr aus. Zynrae griff mit ihrem Mana danach und hielt sie fest. Die dunkle Flamme. Die Flamme, die über ihren Körper leckte.

An Flam. Ihr Geist griff nach dem Schatten. Versuchte ihn zu beeinflussen.

Die Flamme wurde größer. Breitete sich aus, als wolle sie ihren gesamten Körper verschlingen.

Zynrae stemmte sich dagegen.

AN FLAM. Der Gedanke donnerte durch ihren Geist. Ihre gesamte Kraft floss in dieses letzte Aufbegehren, gegen den Schmerz, gegen die Leere, gegen das Gefühl, ihr selbst zu entgleiten.

Die Flammen veränderten sich. Keine Hitze mehr. Nur noch die flackernde Form blieb dieselbe.

Bwael. Ein leises Wispern an ihrem Ohr.

Im nächsten Moment verlor die Drow den Halt. Die Wirklichkeit schien sich um sie herum zu verschieben, als würde etwas an ihr ziehen und gleichzeitig alles andere von ihr fortreißen.

Zynrae stürzte. Nur wenige Augenblicke später schlug sie auf dunklem Steinboden auf. Ein Stöhnen entwich ihr. Doch sie erkannte sofort die Umgebung. Die Haustür. Zynrae blieb einfach liegen, zu erschöpft, um sich zu bewegen und ließ sich von der Dunkelheit umfangen, die ihre Arme nach ihr ausstreckte. Sie bemerkte kaum das leise Zupfen an ihrem Geist noch den kleinen flackernden Schatten, der behutsam über ihren Körper strich. Fast wirkte die Berührung tröstend, während die Erschöpfung sie tiefer in die Dunkelheit zog.

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