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Vor den Augen der Feldherrin

Lyr'sa Ky'Alur

In den vergangenen Monaten hatte Lyr'sa gelernt, mit Handwerkern zu verhandeln und sogar mit Rivvin zu sprechen, ohne sofort in Panik zu geraten. Sie leitete ihr Depot, verwaltete Vorräte und hatte sich daran gewöhnt, dass andere sie um Rat fragten. Manchmal vergaß sie sogar beinahe, wer sie einst gewesen war. Das feige ängstliche Wesen, welches sich vor seinem eigenen Schatten erschreckte und vor jedem buckelte nur um nicht kämpfen zu müssen. Dann hatten ihre Erfindungen sie selbstischer werden lassen. Vorderschaftrepetierlader hatte sie ihre neueste Armbrust genannt. Einfach ziehen, und ein neuer Bolzen fiel in den Schacht und wurde dann auch gleich über flaschenzüge und einen Federmechanismus gespannt und war Feuerbereit.
Damit war sie umhergelaufen, und hatte Ettins erlegt. Hunderte!

Und jetzt in Elashinn... Da hatte sie Rhulqee wiedergesehen. Schon der Klang der Stimme hatte genügt, dass sich ihr Magen zusammenzog.

Noch Augenblicke zuvor hatte sie die Fremde am Wasser zurechtgewiesen wie irgendeinen Besucher, der nicht wusste, wo er sich befand. Dann hatte sie erkannt, wer dort vor ihr stand. Die Sut'rin. Die Feldherrin. Eine der wenigen Personen, deren Namen selbst erfahrene Krieger mit Respekt aussprachen - wenn sie wussten was gut für sie war.

Plötzlich fühlte sich Lyr'sa wieder wie die junge Kriegerin von damals, die an der Melee-Magthere versagte. Die vor Rhulqees Füße geschleift wurde, und zur Handwerkerin degradiert - oder besser - befördert wurde.

Sie hatte gestammelt. Sich entschuldigt. War nervös von einem Fuß auf den anderen getreten. Und je länger das Gespräch gedauert hatte, desto deutlicher war ihr geworden, dass Rhulqee die Welt mit ganz anderen Augen betrachtete.

Wo Lyr'sa Vorräte sah, sah Rhulqee Kriegsfähigkeit.
Wo Lyr'sa stolz auf Berge von Metall, Holz und Federn blickte, fragte Rhulqee nach Soldaten, Waffen und Produktionskapazitäten.

Mehr als einmal hatte Lyr'sa sich dabei verheddert.
Sie hatte erst das Lager gezeigt. Dann Rohstoffe. Dann Rüstungen. Dann wieder Rohstoffe.

Jedes Mal hatte Rhulqee sie mit diesem Blick angesehen, der weder laut noch grausam war, aber dennoch deutlich machte, dass sie Besseres erwartete.
Und Lloth möge ihr helfen – sie hatte recht.

Als sie später allein in ihrer Werkstatt stand, ging sie die Worte der Sut'rin erneut durch.

Keine Berichte auf Papier.
Keine Listen.
Keine Aushänge.
Merken. Beobachten. Vorbereiten.

Wissen, wie viele Waffen gefertigt werden konnten. Wie viele Krieger ausgerüstet werden konnten. Welche Gifte verfügbar waren und welche Materialien fehlten. Lyr'sa strich über einen Stapel Metallbarren und atmete langsam aus. Zum ersten Mal seit langer Zeit hatte jemand ihr nicht erklärt, was sie herstellen sollte. Sondern verlangt, dass sie vorbereitet war, wenn der Befehl kam.

Und das war eine Aufgabe, die sie nicht enttäuschen würde. Ganz gleich, wie viele Nächte sie dafür in der Schmiede verbringen musste.

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