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Von Wassern, Waffen und Abwägungen

Rhulqee Ky'Alur

Die Dunkelheit wurde nur vom dumpfen Glosen einiger heißer Steine in reich verzierten Schalen durchbrochen und von den Mauern gedämpft klangen die Laute der nahen Menagerie an die feinen Sinne der dunkelhäutigen Elfe, während sie einen Stapel Tücher auf der niedrigen Einfriedung des Beckens ablegte. Gebeugt griff sie in die Stofflagen und holte einige Gegenstände hervor, die sie auf dem Beckenrand verteilte: Ein Flakon aus buntem Glas, eine Dose, unter deren Deckel sie einen Block geruchsfreie Seife freilegte, einige Metallkämme, einen Dolch ohne Scheide, den sie ins Wasser gleiten ließ und zwei vergiftete Wurfklingen, die neben dem Becher und der bauchigen Weinkaraffe griffbereit ablegte. Sie hatte sich so gut es ging auf einige ungestörte Momente vorbereitet, aber die Unbedarfte fand den Tod schneller als die Vorbereitete.
Als letztes wandte sie ihren Kopf zur Seite, schielte auf die nackte Schulter und griff vorsichtig nach ihrer achtbeinigen Begleiterin, um sie in sicherer Entfernung vom Wasser auf ein bereitliegendes Kissen zu setzen. "Dos orn inbal ulu kyorl ghil... qualla evagna uns'aa, Ang'ae." Die derzeitige Trägerin dieses Namens klickte mehrmals mit ihren Mandibeln, schien ihren neuen Sitzplatz aber zwischenzeitlich als Ersatz für die warme Haut der unbekleideten Dunkelelfe zu akzeptieren.
Dann schließlich war es soweit. Rhulqee richtete sich auf, streckte einmal lasziv ihre ebenmäßigen aber kampfgestählten Arme, rollte einmal mit den Schultern und stieg langsam die Stufen in das Badebecken hinab. Ein wohliges Seufzen entfleuchte ihren Lippen, während sie bis an den Brustansatz eintauchte und den Rücken an den Beckenrand anlehnte.

Wie sehr hatte sie sich seit vielen Zyklen auf diesen Augenblick gefreut. Ein Schmunzeln spielte um ihre Lippen, während sie an das Drachenauge denken musste, dass sie an einem der Vorposten zurückgelassen hatte und dass sicherlich nur zu gerne mit ihr tauschen würde. Es hatte durchaus seine Vorteile, die Ältere zu sein, mehr Einfluss und Prestige zu haben. Aber sie sollte es vielleicht nicht zu sehr übertreiben. Ihre Schwester war zwar nicht wirklich ambitioniert, aber sie war nicht unfähig. Und wenn es etwas gab, dass sie reizte, dann sicherlich die Vorenthaltung von Annehmlichkeiten. Zebey'afay war manchmal noch verwöhnter als sie selbst. In dem Zusammenhang war ihr alles zuzutrauen.

Rhulqee besann sich auf den vorgeschobenen Hauptzweck ihres Vergnügens und griff nach der Seife. Sie würde der Mutter des Hauses und Herrin der Stadt bald Bericht erstatten müssen. Ihre Rückkehr von der Expedition ins Har'oloth würde sicherlich nicht zu lange unbemerkt bleiben. Und außerdem gab es viel anzusprechen, wenn auch nur die Hälfte von dem stimmte, was die kleine Teb'inyon ihr versucht hatte zu berichten. Lyr'sas Fähigkeiten, größere Zusammenhänge darzustellen waren leider nicht viel weiter ausgeprägt als ihr Geschick im direkten Kampf. Sie war halt keine Strategin und auch beileibe keine Kriegerin. Aber sie war nützlich auf ihre Art... ein Werkzeug, in gewisser Weise vielleicht sogar eine ganz eigene Art von Waffe. Man musste sie nur entsprechend zu führen wissen, dann würde sie ihren Wert haben bei den anstehenden Aufgaben.

Und diese Aufgaben waren immens. Während sie sich in ihre Gedanken versunken sorgfältig wusch, ordneten sich vor dem geistigen Auge der Feldherrin die Eindrücke, die sie nach ihrer Ankunft in Elashinn gesammelt hatte zu einem Geflecht aus Maßnahmen, die sie mit der Ilharess besprechen könnte. Vielleicht ließ sich sogar noch ein wenig ihre Neugierde zu diesen mysteriösen Vorgängen der nach ihrem Empfinden jüngeren Vergangenheit stillen. Die Geschichte war zu abgehoben, als dass selbst Lyr'sa sie sich allein hätte einfallen lassen können.
Rhulqee schnaubte einmal kurz unwillig, während sie die Seife weglegte und wieder etwas tiefer ins Wasser sank. An Zeitrissen und merkwürdigen Leeren würde sie nichts ändern können, das waren Themen für Yathrinen und Faerne… aber jede Information konnte ihr helfen, die Lage zu beurteilen. Und davon konnte abhängen, wie ihre eigenen nächsten Schritte aussahen. Während Andere sich um das Mysterium kümmerten, würde sie sich erneut um die Kriegsbereitschaft des Hauses und der Stadt kümmern. Das war ein Schlachtfeld, dass sie kannte und schon oft genug geprägt hatte.

Vielleicht hatte Zebey'afay doch schneller als ursprünglich vorgesehen das Glück, selbst in die Dunkle Perle zurück kehren zu können. Vieles hing davon ab, wie das Treffen in Kürze abliefe. Das Treffen. Vielleicht sollte sie das mit dem Entspannen doch noch etwas hintanstellen. Abwägend und zunehmend missmutig sah sie zu ihrem Wein, griff dann impulsiv nach dem Becher, nahm einen Schluck und stand dann auf. Während das Wasser plätschernd in das Becken zurück fiel, huschte der Gedanke durch den Kopf, dass sie manchmal auch ihre Schwester beneidete.

Denn manchmal hatten Prestige und Einfluss auch große Nachteile.


"Du musst kurz hier ausharren. Bitte verzeih mir, Ang'ae"

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