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Eine andere Perspektive

Zynrae Ky'Alur

Ruchis Worte blieben im Raum hängen und Zynrae beobachtete, wie sich die Gedanken in ihrem Geist festsetzten. Langsam ließ sie den Blick von Ruchis Gesicht zu ihrem eigenen Unterarm wandern, an dem sich weiterhin der flackernde Schatten entlangschlängelte.

„Wie ich es sehe“, wiederholte die Drow leise, mehr zu sich selbst als zu Ruchi.

In den Schatten hatte sie vor allem auf das geschaut, was ihr genommen worden war. Der Großteil ihrer Magie. Kontrolle. Sicherheit. Aber stimmte das überhaupt? Hatte es wirklich keine Kontrolle gegeben? Trotz allem hatte sie ihre Gedanken lenken können. Selbst als Schmerz und Angst ihren Geist immer wieder rot färbten.

„Wie ich es sehe.“

Sie hatte auf ihre Schwächen geschaut und sich zeitweise von ihnen vereinnahmen lassen. Aber sie hatte auch auf ihre eigene Kraft vertraut. Ihr Geist hatte sich an die Verbindung zu Ruchi geklammert. Das konnte keine Schwäche sein.

„Auf die Möglichkeiten schauen, die ich habe, nicht auf die, die mir genommen wurden.“

Zynrae hatte das Gefühl, als würde ihr Geist wieder weiter werden. Neue Kraft strömte in sie hinein. Dankbar atmete sie aus und spürte, wie ein Teil der Last von ihr abfiel, die Angst und Albtraum hinterlassen hatten.

Als sie aufsah und Ruchis wachsamen Blick begegnete, beugte sie sich etwas weiter vor, bis ihr Atem leicht über ihr Gesicht strich.

„Ich danke dir.“ Ihr Daumen fuhr sanft über Ruchis Kinn. Für einen Moment blieb ihr Blick an ihren Lippen hängen. Dann ließ sie die Hand sinken, blickte zur Tür und stand auf. Ihre Muskeln waren noch steif, doch mit jeder Bewegung kehrte etwas mehr Geschmeidigkeit zurück. Nachdem sie einige Schritte gegangen war, drehte sie sich noch einmal um. Ein herausforderndes Funkeln erschien in ihren Augen und ein Schmunzeln legte sich auf ihre Lippen.

„Du solltest dich auch ausruhen. Wäre doch schade, wenn du morgen beim Training ein zu leichtes Opfer für mich wärst.“

Oh ja. Sie fühlte sich wieder deutlich mehr wie sie selbst.

Erst als sich die Tür ihres Schlafzimmers hinter ihr schloss, ließ sie die Maske fallen und fuhr sich müde über das Gesicht. Ruchi machte sich schon genug Sorgen. Elir wartete bereits auf sie und nahm wie immer den Großteil ihres Bettes ein. Der schattenhafte Panther musterte sie aufmerksam, doch Zynrae winkte nur müde ab. Als sie sich neben ihm ausstreckte und er sich gegen sie sinken ließ, seufzte sie lange aus. Begrenzung, um loslassen zu können.
Dann rief sie ihre Schatten und ließ die Dunkelheit den Raum erfüllen.

Ein letzter Gedanke erfüllt ihren Geist bevor sie sich fallen ließ: Ruchi konnte das Licht sehen. Aber würde sie auch ihre Dunkelheit tragen können?

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