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Re: Der Blick auf den Festplatz [Für meine Königin]

Annara Taugrund

Bevor sie anklopfte, blieb Sie vor der Tür der Königin stehen. Das Schriftstück, das sie in ihren Ärmel gefaltet hatte, lag so dicht an ihrer Haut, dass die Knickkanten deutlich spürte. Es war lediglich ein Blatt Papier, eine nüchterne Aufstellung über Einnahmen und Ausgaben. Angewesiene Gelder. Doch das sich, zwischen den Sauber gezogenen Linien verbergende Geheimnis, wog schwerer als jedes Siegel. Gelder für Garnisionen und Reparaturen dieser waren gekürzt worden. Sold zurückgehalten. All das, währen die Reichskanzlei ihre eigenen Ausgaben ausweitete.

Maeve war sehr geschickt vorgegangen als Sie in der Reichskanzlei aufwartete und dem Beamten schöne Augen machte, und in einem unbeobachteten Augenblick einige Papiere entwendete.

Auf Laiennes Aufforderung trat Annara schließlich ein. Sie machte ihren Knicks und wartete, bis die Königin Annara mit einem vertrauten Lächeln begrüßte.
Erst dann trat sie näher.

"Laienne...", begann Annara leise, "Maeve hat uns etwas gebracht. Ich glaube, du solltest es selbst sehen..."

Annara zog das Papier aus dem Ärmel und überreichte es ihr. Laienne nahm es zunächst ohne sichtbare Regung entgegen, doch während sie die Zeilen und Aufstellungen las, veränderte sich ihr Gesicht. Die Finger schlossen sich fester um den Rand des Blattest. Sie hoffte sich geirrt zu haben, doch da stand es. Schwarz auf Weiß.

„Das kann nicht wahr sein“, sagte sie schließlich.

Annara schwieg. Sie wusste, dass Trost hier fehl am Platz gewesen wäre. Laienne hob den Blick. In ihren Augen lag Schock, aber auch etwas, das Annara lange nicht mehr bei ihr gesehen hatte: Klarheit.

„Danke“, sagte die Laienne leise. „Dass du mir das gebracht hast. Dass du geblieben bist.“

Annara neigte den Kopf. Sie wartete auf einen Befehl, auf einen Plan oder wenigstens auf ein Zeichen, was nun geschehen sollte. Doch Laienne faltete das Schriftstück langsam zusammen und legte es neben sich auf den Tisch.

"Ich werde darüber nachdenken müssen Annara... wir wollen mit bedacht vorgehen."

Annara verabschiedete sich und ließ die Königin allein zurück. Ein erster Schritt war getan, und wann Laienne etwas mit dem Wissen anfangen würde, um den Kanzler zu konfrontieren... nun das wusste Annara nicht - jedenfalls noch nicht.

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