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Der Blick auf den Festplatz [Für meine Königin]

Annara Taugrund

Annara betrachtete die Zimmer ihres neuen Heims. Sie war umgezogen.
Der Umzug war offiziell als Auszeichnung und Anerkennung für ihre Dienste verkündet worden. Jedenfalls war dies die offizielle Formulierung gewesen, die das königliche Edikt verwendet, welches mit dem Siegel Laienne de Corridres versehen worden war. NIemand konnte offen widersprechen, denn eine Anordnung der Königing höchstselbst war über jeden Zweifel erhaben.

Für Annara bedeutete die Entscheidung jedoch weit mehr als nur ein neues Zuhause.

Die alte Villa im Norden Britains, nahe der Kathedrale, hatte ihre viele Jahre gute Dienste geleistet. Doch es lag recht weit ab vom Schloss, und sie fühlte sich des Nachts nicht mehr sicher, mit dem verbrarrikadierten Haus gegenüber, und der seltsamen Frau die sie nur bei Nacht sah. Außerdem lag ihr zuhause fernab des Schlosses und damit der wichtigen Entscheidungen die getroffen wurden. Oft genug hatte sie erleben müssen, dass Ereignisse ohne ihr Wissen stattfanden oder verschlossene Tore oder fehlende Informationen sie von Ihrer Herrin und Freundin trennten. Ob dies Absicht oder Nachlässigkeit gewesen war, spielte eigentliche kaum noch eine Rolle.

Ihr neues Haus lag nun innerhalb der Schlossmauern. Von Ihrem Fenster aus hatte sie einen guten Blick über den Fest und Turnierplatz des Schlosses, sowie die Südostbastion, in welchem auch ihre neuen Schreibräume lagen. Von Ihrem Fenster konnte sie auch gut das Haupttor aus überblicken und sah wie Boten, Adlige und andere Besucher täglich ein- und ausgingen. Das Leben des Hofes spielte sich von nun an praktisch vor ihrer Haustür ab. Sie war nun näher an der Königin, den Gerüchten und den Menschen die das Reich bewegten.

Und dort auf dem Hof erspähte sie gerade Cordovan Adersin, den Kanzler des Reiches, welcher quer über den Hof einen missmutigen Blick auf das neu angebrachte Schild 'Villa Taugrund' warf. Dann setzte er seinen Weg fort, geschniegelt wie immer, doch Annara glaubte eine Anspannung in seinen Bewegungen zu sehen, die selbst seine höfische Maske nicht vollständig hatte verbergen können.

Als sie wenig später am ersten Abend dann, einen Blick aus dem Fenster auf den beleuchteten Platz war, verspürte sie zum ersten Mal seit geraumer Zeit wieder am richtigen Ort zu sein. Wer künftig Entscheidungen über die Zukunft des Reiches treffen wollte, wüde dies nicht mehr tun können, ohne dass Annara selbst oder einer ihrer Vertrauten davon wind bekam. Und wenn annara davon hörte, würde Laienne ebenso zu hören bekommen. Zu lange waren Informationen gefiltert, zurückgehalten oder in der Reichskanzlei verloren gegangen. Damit würde nun Schluss sei. Laienne konnte nur regieren, wenn sie wusste, was in ihrem Reich geschah - und Annara und ihre Getreuen würden dafür sorgen, dass sich niemand mehr zwischen Laienne und die Wahrheit stellen würde.

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