Online: 7

Iomen - Chaos

Iomien war keine Welt.
Es war ein Schlachtfeld, das vergessen hatte, wofür Welten existierten.

Seit der Verbannung Malions tobte hier der Krieg – ein Krieg zwischen Brüdern, zwischen Verderben und Ordnung. Malion, Fürst der Angst, war kein gefallener Engel und kein missverstandener Gott. Er war ein Gottgleicher Dämon, geboren aus Hass, Wille und Hunger nach Vorherrschaft. Sein Bruder Ryonar hingegen war Ordnung, Licht und Bann – und genau darin lag der Ursprung des ewigen Konflikts.

Keiner konnte den anderen vernichten.
Keiner konnte weichen.

So wurde Iomien zur Arena ihres endlosen Krieges.

Die Heerscharen Malions – Dämonen, Verdammte, Verlorene und Sterbliche, die sich bewusst für ihn entschieden hatten – prallten unaufhörlich auf Ryonars Legionen aus Licht, Stahl und fanatischem Glauben. Jede Schlacht endete gleich: verbrannte Erde, zerfetzte Himmel, neue Frontlinien. Ein perfekter Gleichstand, genährt von Blut und Magie.

Die Nok’Tau, Malions Orden, waren das Rückgrat dieses Krieges. Sie errichteten Festungen aus schwarzem Gestein und dämonisch durchwirktem Erz, befestigt mit Ritualen, die ganze Landstriche vernarbten. Diese Bastionen waren keine Symbole der Hoffnung – sie waren Ankerpunkte, die Malions Präsenz in Iomien festigten.

Und an ihrer Spitze kämpfte Maranos van Ascheberg.

Er war kein gezwungener Diener.
Er hatte gewählt. Er wurde Auserwählt.

Maranos glaubte an Malion, nicht als Erlöser, sondern als Wahrheit. Ordnung war Lüge, Stillstand Verfall – nur der endlose Kampf hielt die Existenz in Bewegung. Auf den Schlachtfeldern Iomiens führte er Malions Willen mit eiserner Faust aus. Seine Magie war roh, zerstörerisch, unnachgiebig. Wo er kämpfte, zerbarst die Welt: Mauern kollabierten, Dämonen und Engel gleichermaßen wurden ausgelöscht, wenn sie ihm im Weg standen.

Er stand in vorderster Linie, umgeben von schwarzem Feuer und verdichteter Magie. Ein Schritt, eine Geste, und ganze Formationen Ryonars wurden aus der Realität gerissen. Doch jeder Sieg war nur vorübergehend. Für jede zerstörte Bastion des Lichts erhob sich eine neue. Der Krieg blieb, wie Malion es nannte, notwendig.

In den seltenen Stunden ohne Schlacht zog sich Maranos zurück – tief unter die Erde, in das Herz eines Berges, dessen Inneres von Lavaflüssen erleuchtet wurde. Dort hatte er sein Refugium errichtet, geschützt durch Bannkreise und dämonische Siegel. Die Dunkelheit war vollkommen, die Hitze unerträglich für jeden außer ihm.

Hier widmete er sich seiner wahren Aufgabe.

Portale.

Maranos studierte die Risse zwischen den Welten, nicht um zu fliehen, sondern um Malions Einfluss auszuweiten. Er analysierte alte Runen, rekonstruierte vergessene Übergänge, erforschte Wege, wie man die Grenzen der Verbannung schwächen konnte. Jede Berechnung, jede Formel war ein Schritt näher daran, Malion mehr Raum zu geben – sei es in Iomien oder darüber hinaus.

Wenn der Ruf kam, verließ Maranos die Tiefe wieder. Er stieg aus dem Berg empor wie eine lebende Katastrophe und stürzte sich erneut in den Krieg, ein Erzmagier im Dienste des Dämons, überzeugt davon, dass der ewige Gleichstand nur eine Phase war.

Denn Gleichstand bedeutete Zeit.
Und Zeit bedeutete Gelegenheit.

Solange Maranos kämpfte und forschte,
würde Malions Bann nicht ewig halten.

Und wenn sich eines Tages ein Portal öffnete,
würde der Dämon nicht allein hindurchtreten.

So vergingen Jahre.
Oder Jahrhunderte.
Zeit hatte hier keine Bedeutung mehr.

Beiträge in diesem Thread