DunklelheitZuerst kam das Atmen — flach, unregelmäßig, wie das eines Körpers, der vergessen hatte, wie Leben funktioniert. Dann kam Schmerz. Kein scharfer, klarer Schmerz, sondern ein dumpfes, allgegenwärtiges Drücken, als läge die Welt selbst schwer auf seinen Knochen. Maranos schlug die Augen auf. Und sah nichts. Keine Schatten. Kein Licht. Kein Flackern von Lava oder Sternen. Nur undurchdringliche Dunkelheit. Einen Moment lang glaubte er, noch immer zwischen Leben und Tod zu treiben — doch dann spürte er den Boden unter seinen Fingern. Erde. Kühl. Feucht. Durchzogen von Wurzeln. Er lebte. Wer…? Der Gedanke zerfiel, bevor er Form annehmen konnte. Namen, Bilder, Schlachten — alles lag hinter einem Nebel, dicht und unzugänglich. Er wusste nicht, wo er war. Nicht einmal, wer er war. Nur ein vages Gefühl blieb zurück: dass er einmal mehr gewesen war als dieser zerschlagene Körper im Dreck. Er versuchte aufzustehen. Die Muskeln gehorchten zögernd. Stoff raschelte — oder vielmehr die verkohlten Reste davon. Seine Robe war verbrannt, in Fetzen geschrumpft, hart vom Ruß. Keine Zeichen, keine Farben, keine Insignien. Nichts, was von einem Orden oder einer Vergangenheit zeugte. Nur ein Mann.Verloren.Blind. Mit ausgestreckten Händen tastete er sich vorwärts. Jeder Schritt war vorsichtig, unsicher. Zweige streiften sein Gesicht, Blätter raschelten unter seinen Füßen. Der Geruch von Harz, Erde und feuchtem Holz lag in der Luft. Ein Wald. Kein Schlachtfeld. Nur Wind in den Blättern. Er stolperte über eine Wurzel und fiel auf ein Knie. Instinktiv presste er die Hand auf den Boden — und da war es plötzlich: Ein Flackern. Nicht in seinen Augen, sondern in ihm. Etwas reagierte. Eine Wärme, tief in seiner Brust, alt und vertraut. Ohne zu wissen warum, konzentrierte er sich darauf. Der Impuls war roh, ungeschult, doch selbstverständlich — wie ein vergessenes Wort, das man plötzlich wieder ausspricht. Die Luft vor ihm knisterte leise. Ein schwaches Knistern folgte, dann das sanfte Brechen eines Zweiges. Wärme breitete sich aus. Er spürte sie auf seiner Haut, hörte das kleine, lebendige Knacken von Feuer. Er hatte eine Flamme erschaffen. Maranos atmete schwer aus. Kein Gedanke sagte ihm wie er das getan hatte. Aber sein Körper wusste es. Seine Seele erinnerte sich, auch wenn sein Geist es nicht tat. Magie. Das Wort tauchte nicht bewusst auf — doch das Wissen war da. Wie ein Echo von etwas Gewaltigem, das nun nur noch als Funke übrig war. Langsam, tastend, begann er mehr zu versuchen. Ein kurzer Fokus — und trockenes Holz sammelte sich, als würde ein unsichtbarer Zug es näher rücken lassen. Ein weiterer Impuls — und die Flamme hielt stabil, trotz des Windes. Er spürte, wie erschöpft ihn selbst diese kleinen Wirkungen machten, doch sie waren genug. Genug, um zu überleben. Mit unbeholfenen Bewegungen richtete er sich neben dem Feuer ein kleines Lager her: ein Kreis aus Steinen, ein Platz aus Laub und Zweigen, notdürftig zu einer Liegestatt geschoben. Nichts Großes. Nichts Mächtiges. Nur Schutz. Als er sich schließlich setzte, das Gesicht der Wärme zugewandt, lauschte er in die Nacht. Der Wald lebte. Insekten zirpten, irgendwo knackte Holz, ein Tier bewegte sich vorsichtig durch das Unterholz. Und inmitten dieses einfachen, fremden Lebens saß ein Mann ohne Namen, ohne Erinnerung, ohne Augenlicht — der doch wusste, Er zog die Knie näher an sich, spürte die Hitze auf der Haut und ließ den Kopf sinken. Müdigkeit kam schwer und tief, wie ein dunkler See, der ihn langsam wieder verschluckte. Das Feuer knackte leise. Und irgendwo, weit jenseits dieses stillen Waldes, Beiträge in diesem Thread
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